Arbeit Umzug mit Möbeln: Auch teure Möbel taugen beim Auf- und Abbau oft nicht

Wer umzieht, der steht aber vor noch mehr Fragen: Mit welchem Umzugsservice lässt man seinen Kleiderschrank, Sofa, Bett, die Küche, Waschmaschine abbauen? Während der Abbau meist durch die Speditionen recht einfach zu bewerkstelligen ist, wird der Aufbau in der anderen Wohnung oder Haus zur Zitterpartie. Das kann am Personal liegen, also den Speditions-Mitarbeitern, muss aber nicht. Denn immer öfters liegt das Problem im Material der Möbel.

Wie nur soll das Teil wieder zusammengebaut werden, wenn plötzlich die Türen nicht mehr passen.

Im Sommer ziehen viele Menschen gerne um. Denn der eher trockenen und warmen Jahreszeit traut man eher zu, dass Möbel von Möbelpackern gut in die neue Wohnung, das neue Haus gebracht werden.

Fachmann Peter, ein Möbel-Speditions-Mitarbeiter, erklärte gegenüber netz-trends: "Ob Sideboards für 1300 Euro oder Kleiderschränke für 1000 Euro - die Teile sind heute immer öfters so gebaut, dass nach ein bis zweimaligem Auf- und Abbau meist schon Probleme auftreten."Als Beispiel nennt er die Schrauben und Scharniere an Kleiderschränken. Diese seien häufig so konstruiert, dass man zwar einerseits heute die Schranktüren leichter ein -und aushängen könne, aber das Holz sei selbst bei teuren Markenanbietern oder teuren Möbelketten oftmals qualitativ nicht sehr hoch. Dies führe dazu, dass Türen nach einem Umzug nicht mehr perfekt schließen würden oder Schrauben im billigen Pressholz hohl drehten.

500 Euro sind für einen Kleiderschrank - zwei Meter breit, 2,40 Meter hoch - für den einen viel Geld, für den anderen wenig. Doch egal ob wenig oder viel: Wenn so ein Schrank vor zwei Jahren gekauft einen einzigen Umzug nur mit Ach und Krach überlebt, da die Schrauben aus dem Billigholz wieder herauszubrechen drohen und nicht mehr anziehen, oder da die Türen sich verzogen haben und keine abschließende Kante am oberen Schrankende erreicht werden kann, ist das nicht mehr lustig.

"Ich habe oft erlebt, dass ein Schrank für 500 Euro, in einer teureren Möbel-Kette gekauft, für 200 Euro in einer besseren Qualität bei Poco Domäne oder Ikea zu kaufen ist", behauptet Möbelbauer Peter. Ob das wirklich so ist, wissen wir nicht. Doch hören wir auffällig oft solche oder ähnliche Statements: "Ich hasse Obi, das Zeug taugt oft nichts und ist schweineteuer. Bei Poco Domäne krieg ich bessere Qualität und viel billiger“, sagte uns beispielsweise ein Handwerker aus München.

Repräsentativ sind solche Aussagen sicherlich nicht, aber sie sprechen dennoch auf ihre Art Bände. Ich selbst bin enttäuscht: Die Anrichte, die ich bei Möbel Kraft gekauft hatte, ist schon nach ihrem ersten Umzug etwas verzogen. Hinzu kommen heftige Kratzer durch den Umzug. Die Mitarbeiter der Möbelspedition behaupten, sie hätten das alles sehr gut mit Luftkissen und Decken verpackt. Doch zumindest in diesem Fall habe ich da meine Zweifel. Zum Glück sind mir die Schäden schon während des Möbelaufbaus in der neuen Wohnung gleich aufgefallen.

Denn Speditionen lassen Reklamationen nach dem Umzug nicht mehr zu. Ebenfalls ein Glück ist es, dass ich den Papierbogen, in welchen ich die Reklamationen gegenüber dem Speditionsmitarbeiter schriftlich dargelegt hatte und von mir unterschrieben worden war, mit dem Handy abfotografiert hatte. Denn bis heute habe ich von der Spedition immer noch keinen Hinweis, dass sie daran denkt, den Schaden über ihre Versicherung begleichen zu lassen.

"Nicht immer sind Schäden an Möbeln durch Umzüge unsere Schuld“, sagt Peter, der Speditionsmitarbeiter. Oft seien auch teure Kleiderschränke oder Anrichten so schlecht in der Qualität, dass hier Kratzer schneller reinkommen könnten, als man schauen könne. Selbst bei vorsichtigem und sorgfältigen Auf- und Abbau ließe sich so immer öfters ein Schaden gar nicht vermeiden. "Die Möbelhäuser möchten, dass Möbel möglichst oft wieder gekauft und ersetzt werden müssen“, behauptet er.

Wäre das so, wäre es ein Skandal. Immerhin: Hatte ich bislang Probleme beispielsweise mit den bei Möbel Kraft gekauften Möbeln - einem von mir gerne besuchten Möbelhaus -, so war der Kundenservice dieses Möbelhauses vorzüglich. Wenn Probleme auftauchten, wurden sehr zeitnah auch Wochen nach der ersten Möbellieferungen Reparaturen durchgeführt.

Dennoch: Enttäuscht bin ich, wenn Möbel, vor allem wenn sie hochpreisiger sind, nicht einen einzigen Umzug gut überstehen, da Türen und Schrauben nicht mehr passen. Das ist mir nun mit einem Sideboard und einem Kleiderschrank von Möbel Kraft passiert. Wer Schuld hat - die mangelnde Möbelqualität oder die Spedition - lässt sich für mich nicht einwandfrei feststellen. Aber dass in meinem Fall im Sideboard (1300 Euro) die Türen nicht mehr richtig schließen, auch der Kleiderschrank (500 Euro) etwas schiefe Türen nach dem Umzug aufweist, scheint mir eher ein Qualitätsproblem der bei Möbel Kraft gekauften Möbel zu sein, als ein Fehler der Spedition.

Falls die Möbelindustrie in die Falle tappt, zu glauben, man würde wie bei einem PC alle fünf Jahre ein Sideboard kaufen, da die Türen kaum mehr richtig schließen oder der Hochglanz-Lack von Anfang an so schlechte Qualität hat, dass er nach spätestens drei Jahren Putzen überall Kratzer hat, tut sie sich keinen Gefallen.

Kunden werden nur dann nach wie vor in die schönen aber auch teureren Möbelhäuser gehen, wenn sie das Gefühl haben, dass sie wirklich hochwertige Qualität erhalten, wo Möbel auch wenigstens zwei bis drei Umzüge aushalten. Denn das ist nun mal das aktuelle berufliche Los, dass für viele Umziehen dazu gehört.

Wenn die großen Möbelhäuser aber nach dem Motto leben, ist der Qualitätsruf erst mal ruiniert, lebt es sich völlig ungeniert, ist das ihr eigenes Todesurteil. Denn dann gibt es keinen Grund mehr, in die Häuser zu gehen, sich beraten zu lassen und mehr Geld für Möbel auszugeben, als im Internet, bei Poco Domäne oder Ikea.

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