Mathias Döpfner Nachrichten-König Axel Springer: Kein T-Online Kauf?

Zu Springer gehören Medien wie die BILD-Zeitung, DIE WELT, N24, Gründerszene oder Preisvergleichs- und E-Commerceportale wie Idealo oder Immonet. T-Online wiederum ist in der Reichweite laut AGOF, also der Arbeitsgemeinschaft Onlinewerbung, das größte deutsche Onlineportal. T-Online gehört zur Deutschen Telekom AG.

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Wer schlägt bei T-Online zu?

Das Medienhaus Axel Springer aus Berlin will angeblich doch nicht T-Online kaufen.

Die Süddeutsche Zeitung (SZ) sagt, wonach der CEO der Axel Springer SE, Dr. Mathias Döpfner, gesagt haben soll, wonach der Kauf des T-Online-Portals "sehr unwahrscheinlich" sei. Axel Springer verdient rund 70 Prozent aus dem Digitalgeschäft. Deshalb gilt Springer unter Europas Medienhäusern durchaus als Paradebeispiel, dass die Wende ins digitale Zeitalter gelingen kann.

Doch ist auch Axel Springer, wie alle E-Commerce-Unternehmen in Deutschland, massiv vom Good Will der Google Inc. aus den USA abhängig. Die Abhängigkeit lockert sich lediglich in dem Ausmaß, in welchem es gelingt, eine Marke aufzubauen, die einen Mehrwert bietet, der so stark ist, dass Verbraucher auch ohne den Umweg über Google es nutzen: Bei T-Online wäre dies das E-Mail-Angebot, bei Immonet die schlichte Immobiliensuche. Bei den Nachrichtenportalen BILD und WELT ist aber schon eine erhebliche Abhängigkeit von Google vorhanden (bei der WELT wahrscheinlich mehr als bei BILD).

Axel Springer galt als einer der aussichtsreichsten Kandidaten für die Übernahme des Portals-T-Online. Kritiker warfen der Deutschen Telekom AG aber vor, erstens den Verkauf des laut AGOF größten deutschen Portals T-Online etwas unter der Decke gehalten zu haben, zweitens hatte man den Eindruck, dass es hier möglicherweise eine besondere Bevorzugung von Springer geben könnte, da Mathias Döpfner einstmals Mitglied im Aufsichtsrat der DTAG war (wenn auch nur in einem kurzen Intermezzo).

Auf Kritik stieß aber auch die drohende weitere publizistische nationale Dominanz von Springer, die im Falle der Übernahme von T-Online als Nachrichtenportal dann auch online zu erwarten gewesen wäre. Schon heute dominieren Springer-General Interest Medien wie bild.de und welt.de weite Teile des Online-Nachrichtenjournalismus.

Axel Springer gehören mit bild.de und welt.de schon heute zwei der vier größten deutschen General Interest Nachrichtenportale.

Mit einer AGOF-Nettoreichweite von rund 17 Millionen Nutzern liegt bild.de auf Platz drei der größten deutschen Webportale. Es folgt welt.de auf Platz 14 mit rund 10 Mio. Unique Usern Nettoreichweite. Gerade bei welt.de hat man zudem schon heute den Eindruck, dass hier in Google News eine massive und gefühlt fast erdrückende Präsenz und Bevorzugung durch die Google Inc. zu Gunsten von welt.de stattfindet.

Unter den 15 größten deutschen Webportalen, welche AGOF als relativ unabhängige Reichweiten-Prüfinstanz listet, können sich neben welt.de und bild.de nur noch zwei weitere deutsche General Interest-Nachrichtenportale positionieren. Das wären Spiegel Online und Focus Online.

Mit T-Online hätte Springer jedenfalls ein drittes national verbreitetes Portal im General Interest Nachrichtensektor mit den möglicherweise entsprechenden kartellrechtlichen Fragestellungen des Deutschen Bundeskartellamtes in Bonn.

Doch ob solche Bedenken in den Chef- und Justizetagen von Axel Springer eine Rolle spielten, ist nicht bekannt. Gut möglich, dass es schlicht wirtschaftliche Überlegungen waren. Denn gerade Nachrichtenportale gelten in Google als am anfälligsten und verletzlichsten - neben E-Commerce Portalen. Grund: Es wäre nicht das erste Mal, dass Google recht willkürlich seine Politik ändert und damit auch sehr große Webportale mit über einer Millionen Unique Usern wirtschaftlich bedroht oder gar vernichtet.

Da Döpfner schon immer eine Affinität zu anglikanischen Ländern hatte, soll er gegenüber der SZ gesagt haben, wonach Übernahmen im Internet für ihn derzeit vor allem in anglikanischen Ländern von Interesse seien: "Uns interessiert derzeit besonders der englische Sprachraum." So schaue sich der Berliner Konzern Axel Springer SE, welcher an einst wichtigen Springer-Standorten wie Hamburg nur noch ein Schatten seiner selbst ist, derzeit im englischen Raum viele Unternehmen an.