Los Angeles hebt Mindestlohn auf 15 Dollar (13,47 Euro) pro Stunde bis 2020 an

In den nächsten fünf Jahren soll der Mindestlohn bis 2020 auf 15 Dollar pro Stunde steigen, was umgerechnet 13,47 Euro entspricht. Allerdings muss man beim Vergleich Deutschland und Los Angeles vorsichtig sein. Denn die Lebenshaltungskosten sind in Los Angeles im Schnitt gut 50% teurer als im Schnitt in Deutschland.

Bild: creativecommons / flickr / Eric Garcetti
Der Bürgermeister von Los Angeles, Eric Garcetti, gilt als starker Verfechter eines höheren Mindestlohns. Hier ist er bei einem Sportfest (graues T-Shirt).

In den USA wurde die Einführung des nationalen Mindestlohns in Deutschland auf 8,50 Euro pro Stunde mit großem Interesse verfolgt. Jetzt legt die kalifornische Hightech- und Entertainment-Hochburg Los Angeles noch einen drauf.

Jedenfalls hatten nun Mitglieder des Stadtrats (City Council) von Los Angeles für eine Anhebung des Mindestlohns pro Stunde in der zweitgrößten Stadt der USA votiert und das mit einer überwältigenden Mehrheit. Von 15 Stimmen gab es nur 1 Gegenstimme.

Die Anhebung des Mindestlohns in Los Angeles auf 13,47 Euro pro Stunde gilt als großer Sieg für die Gewerkschaften und Sozialverbände, welche in Los Angeles seit Jahren darauf aufmerksam machen, dass Wohnraum in der Heimat von Hollywood - ein Stadtteil von Los Angeles - seit Jahren exorbitant teuer geworden ist. Auch die sonstigen Ausgaben für Konsum, wie Lebensmittel, oder weitere Produkte des täglichen Bedarf, sind für Hunderttausende Bürger in Los Angeles unbezahlbar geworden.

Auch Facebook oder Walmart mussten Mindestlohn anheben

Der jetzigen Anhebung waren aber nicht nur auf politischer Ebene massive Diskussionen vorangegangen, vielmehr hatten sich Beschäftige in Konzernen wie Facebook oder Walmart (Supermarkt-Kette) jahrelang massiv über zu niedrigste Löhne für einfache Beschäftigte beschwert.

Entsprechend war der Druck groß geworden, so dass sich zähneknirschend sowohl Facebook als auch Walmart gezwungen sahen, schließlich die Mindestlöhne anzuheben. Das zeigt, dass gerade in solchen Superkonzernen wie Facebook auch eine drastische Differenz zwischen exorbitant hohen Gehältern auf der Management-Ebene und einfachen Beschäftigten besteht.

Vor Los Angeles hatten bereits zahlreiche andere US-Städte ihre Mindestlöhne angehoben. Darunter waren San Francisco, Chicago, Seattle oder Oakland. Dass in einer teuren Stadt wie Los Angeles dringender sozialer Handlungsbedarf bestand, darüber sind sich faktisch alle einig. Denn Los Angeles ist nicht nur die Stadt des Glamours, sondern ebenso von Slums und Armut, welche sich gegen Ausbeutung durch Großkapitalisten kaum wehren können. So sollen in Los Angeles über 50 Prozent der Menschen unter 15 US-Dollar pro Stunde erhalten.

Los Angeles gilt zwar weltweit nicht als teuerste Metropole, doch befindet sich die Stadt unter über 500 Städten, welche eine vergleichbare Größe wie Los Angeles haben, weltweit immerhin auf Platz 47 der teuerste Städte (Lebenshaltungskosten). Dies behauptet zumindest eine Erhebung der "Economist Intelligence Unit", eine Studien-Abteilung des bekannten Wirtschaftsmagazins "Economists". Doch gilt Platz 47 nur für die Kosten für Lebensmittel, Verkehr, Versorgung, Privatschulen oder Haushaltshilfen.

Los Angeles gehört weltweit zu den teuersten Städten

Nimmt man als Kostenindex die Immobilienpreise, so liegt die kalifornische Metropole weltweit immerhin auf Platz 30 (Quelle: Unternehmensberatung Mercer Human Resource Consulting). Im Beschnarcht der teuersten US-Städte, so rangiert im Bereich der Lebenshaltungskosten Los Angeles mittlerweile jedoch angeblich sogar noch vor New York City (Quelle: "The Economist").

Am 8. Mai 2014 schrieb beispielsweise die deutsche monatlich erscheinende Wirtschaftszeitschrift "Manager Magazin" in Bezug auf Immobilien-Durchschnittspreise: "In Los Angeles kosten Eigenheime sogar 516.700 Dollar, da erscheinen selbst Monatsmieten von 2365 Dollar schon wieder vergleichsweise attraktiv. Die südkalifornische Großstadt hat inzwischen sogar New York als wertvollster Immobilienmarkt der USA abgelöst."

Neben den Städten versuchen immer mehr amerikanischer Bundesstaaten den Mindestlöhne anzuheben, um den seit Jahren gestiegenen Lebenshaltungskosten entgegentreten zu können. Darunter waren nicht nur eher linksliberale Staaten, sondern auch von den rechts-konservativen Republikanern regierte Staaten wie Alaska oder South Dakota.

Vor dem nun in einem Fünfjahresplan stückweise angehobenen Mindestlohn in Los Angeles waren umfangreiche Studien vorausgegangen. Sie sollten die Auswirkungen eines deutlich angehobenen Mindestlohns auf die unterschiedlichen Branchen und Kleinunternehmer untersuchen. Federführend war unter anderem Michael Reich, ein Wirtschaftswissenschaftler an der berühmten University of California in Berkeley.

Historischer Schnitt

Reich sagte, wonach man die nun vollzogene soziale Anhebung des Mindestlohns in Los Angeles erstmals seit den 1960er Jahren wieder staatlich forciere habe und von daher ein gewisser historischer Schnitt zu erkennen sei.

Einer, der den jetzt beschlossenen höheren Mindestlohn in Los Angeles begrüßt, ist Dan Cantor, Direktor der "Working Families Party". Er sagte, dies sei ein Schritt in die richtige Richtung. Gleichzeitig ist der hohe Mindestlohn in Los Angeles für die USA geradezu revolutionär und unzählige Kleinbetriebe und Mittelständler sehen nicht, wie sie das refinanzieren sollen. Immerhin bedeuten 15 Dollar Mindestlohn einen täglich zu bezahlenden Lohn von gut 130 bis 150 Dollar.

Fakt ist: Los Angeles setzt einen markanten und umstritten sehr hohen Mindestlohn fest und ist damit in den USA führend. So liegt der Mindestlohn im Bundesstaat New York bei nur 8,75 Dollar, wobei er in New York City (NYC) allerdings ebenso wie in Los Angeles bei 15 Dollar liegt. Wobei man wissen muss:

Gut ein Drittel der in NYC Beschäftigten verdient derzeit nach Schätzungen unter 15 Dollar. Weitere Mindestlöhne in amerikanischen Städten im Mai 2015: Oakland (12,25 Dollar, bzw. 11 Euro), San Francisco (15 Dollar; bzw. 13,47 Euro), San Diego (11,50 USD bzw. 10,33 Euro), Santa Fe (10,84 USA, bzw. 9,73 Euro), Albuquerque (8,75 USA, bzw. 7,86 Euro), Kansas City (15 USD, bzw. 13,47 Euro), Chicago (13 USD, bzw. 11,67 Euro), Louisville (9 USD, bzw. 8,08 Euro), Washington DC (15 USD, bzw. 13,47 Euro), Portland (10,68 USD, bzw. 9,59 Euro).