890 Mio. Euro? Kauft Axel Springer Huffington Post für 1 Mrd.? Wäre hoch riskant

Die FT schreibt etwas ungewöhnlich von einem "unaufgeforderte Ansatz". Doch sei der gebotene Kaufpreis von Axel Springer zu niedrig gewesen. Immerhin war am Dienstag bekannt geworden, wonach der amerikanische Internet-Dino AOL für 4,4 Milliarden US-Dollar (3,91 Milliarden Euro) an den Telekommunikationskonzern Verizon verkauft wurde.

Die Hufftington Post.

Nach einem Bericht der englischen Wirtschaftstageszeitung Financial Times (FT) soll das deutsche Medienhaus Axel Springer SE bereits 2014 einen Versuch unternommen habe, AOL zu übernehmen.

Auch wenn Axel Springer sicherlich nicht arm ist, kann das Berliner Medienhaus (Bild-Zeitung, Die Welt, Idealo, Immonet) nicht in der Liga des amerikanischen Superkonzerns Verizon Communications Inc. mithalten, dessen Marktkapitalisierung bei 203 Milliarden US-Dollar (180,4 Milliarden Euro) liegt.

Zu Gerüchten, wonach Springer die Huftington Post kaufen wolle, gibt es bislang nicht viel Substanzielles. Bekannt ist, dass ein in Deutschland nicht bekannter US-Blog mit dem Namen Recode berichtet habe, dass Springer versucht habe, AOL davon zu überzeugen, das Online-Magazin Huffington Post an die Axel Springer SE zu verkaufen. Dem entgegnete ein AOL-Sprecher, wonach Springer zumindest in den Übernahmedeal von AOL durch Verizon nicht involviert gewesen sei.

Nach bisherigen Gerüchten wolle Verizon AOL als autonom agierenden Bestandteil des Konzerns operieren lassen, wobei die Huffington Post Bestandteil dieser Einheit sei. Vor vier Jahren hatte AOL die Nachrichten- und Unterhaltungs-Website, welche von der Amerikanerin Arianna Huffington gegründet worden war, für 315 Millionen Dollar (280 Millionen Euro) übernommen.

Kommentar:

Dass die Huffington Post ein interessantes Produkt ist, gilt in der Internetszene als unbestritten. Doch auch das wissen wir alle: Dass der Erfolg eines Nachrichten- oder Unterhaltungs-Blogs in der Regel zu 80 bis 95% davon abhängig ist, wie die Google Inc. das Portal rankt und ihm Sichtbarkeit bei Verbraucher-Suchanfragen in der Suchmaschine Google einräumt.

Diese Abhängigkeit von Google macht vor allem publizistische Geschäftsmodelle im Internet so riskant. Fakt ist: Derzeit hat die Huffington Post in Google ein hervorragendes Standing. Das sichert dem Magazin Werbeeinnahmen. Aber ein Kaufpreis von 1 Milliarde US-Dollar, also 890 Millionen Euro? Springer ginge damit ein enormes Risiko für ein publizistisches Produkt ein.

Dass auch die Börse zu dieser Ansicht tendiert, sieht man am aktuellen Aktienkurs: So ging es für die Springer-Aktie um 8,95% auf 55,50 US-Dollar (49,30 Euro) runter (Quelle: marketwatch.com). Doch auch AOL-Käufer Verizon kann mit dem AOL-Deal nicht punkten. So legte die Aktie nur im Promillebereich zu (+0.04%). Der Börsenwert von Springer liegt derzeit bei 5,6 Milliarden Dollar (4,97 Milliarden Euro). Nach Angaben der Börse Frankfurt seien die wichtigsten Aktionäre: Die Axel Springer Gesellschaft für Publizistik mbH (51,55%), Dr. h.c. Friede Springer (5,23%), Dr. Mathias Döpfner (2,00%).