Kritik an der Google Inc. auf Münchner Medientagen

"Timotheus Höttges klagt seit geraumer Zeit über die kaum kontrollierbare Dominanz amerikanischer Konzerne im Internet. In dieser Woche hatte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom gleich doppelt Gelegenheit, über Google, Amazon und Facebook herzuziehen. Am Dienstag war Höttges Keynote-Speaker auf dem IT-Gipfel in Hamburg, am Mittwoch eröffnete er in derselben Rolle die Münchner Medientage". Dazu muss man wissen:

Auch auf den Münchner Medientagen stand das Thema Macht im Internet, besonders auch von Google & Co wieder im Raum. Kritiker werfen seit Monaten dem 70-Milliarden-Dollar-Konzern Wettbewerbsverzerrungen in der EU vor. So schrieb beispielsweise Henning Peitsmeier im Medienteil der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ, Seite 13) am Donnerstag den 23. Oktober 2014:

Es war Höttges Vorgänger, René Obermann, der Ende 2013 in einem bemerkenswerten Interview erklärte, die Politik müsse dringend in Europa handeln, um die Monopolstellung der digitalen US-Konzerne, insbesondere von Google, nicht weiter zu zementieren.

Dabei brachte Obermann einen von der gesamten deutschen Internetszene mit großer Aufmerksamkeit verfolgten Gedanken ins Spiel: So müsse die EU mit Nachdruck darüber nachdenken, ein Internet zu schaffen, das von dem amerikanischen komplett getrennt sei. Rein technisch ist es Fakt, dass alle Internet-Knotenpunkte in den USA zusammenlaufen.

Das ist einer der Gründe, warum die US-Regierung faktisch jede E-Mail mitlesen kann, aber auch, warum US-Konzerne im Internet weltweit eine für viele Wettbewerber erdrückende Großmacht darstellen. Entsprechend reichten 2014 insgesamt 400 EU-Unternehmen Klage vor der Europäischen Union ein. Ihr Anliegen: Besonders durch die Allmacht der Google Inc. erleide man bereits heute und mit Jahren zunehmend eine erhebliche Wettbewerbsverzerrung, die das eigene Geschäft massiv gefährde.

Unter den Beschwerdeführern befindet sich eine breite europäische Allianz und sie reicht von der Deutschen Telekom AG bis zur Axel Springer SE.

Google will größter Finanzdienstleister mit Google Compare werden

Auf besondere Kritik stößt, dass die Google Inc. angeblich eigene Produkte zum Nachteil der Wettbewerber bevorzuge. So arbeitet Google beispielsweise mit Google Compare derzeit daran, der größte Versicherungsmakler und Finanzdienstleister weltweit zu werden. Mit Google Hotelfinder, Google Products oder Google Flights laufen ähnliche Projekte. Besonders heikel daran ist:

Da alle E-Commerce-Unternehmen darauf angewiesen sind, ihre Umsätze dadurch zu generieren, dass sie in Google Anzeigen schalten, sogenannten Google AdWords, und diese Anzeigen alle über die Google Internetsoftware Google Analytics, Google AdWords, beziehungsweise das Google Webmastertool laufen, weiß Google für nahezu jedes E-Commerce-Unternehmen, mit welchen werblichen Aussagen welches Unternehmen die besten Umsätze erzielen kann.

Dieses Wissen setze Google nun zunehmend, sagen Kritiker, ein, um eben zu den eigenen Werbekunden in Wettbewerb zu treten – aus einer unfairen Dominanz heraus. Viele E-Commerce-Unternehmen können im Internet nur dadurch Umsätze erzielen und wachsen, indem sie in Google Anzeigen schalten. Ein Teufelskreislauf aus dem viele nicht mehr herauskommen, da die Google Inc. gleichzeitig von Jahr zu Jahr die Preise erhöht und der Wettbewerb zwischen den anzeigenschaltenden Unternehmen schon heute für viele mörderisch ist.

Werbekunden zahlen teils über 100 Millionen Euro im Jahr an die Google Inc: Ohne Google Adwords geht E-Commerce nicht

So gibt es bereits heute auch in Deutschland E-Commerce-Unternehmen, welche an Google über 100 Millionen Euro für Anzeigenschaltungen in Google Adwords ausgeben (müssen). Bis zu 80% der Umsätze können nicht wenige Unternehmen im Internet ausschließlich über Google Adwords-Anzeigen generieren. Wer an diesem Google-Werbesystem nicht teilnimmt oder sich die steigenden Preise für Anzeigen nicht leisten kann, geht wirtschaftlich in die Knie.

Ebenfalls auffallend: Einige Werbekunden von Google, zu welchen Google nun in Konkurrenz geht, verlieren plötzlich erheblich an Sichtbarkeit in Google. Dies habe "wahrscheinlich drastische Auswirkungen auf deren Umsätze", erklärt ein sehr guter E-Commerce-Kenner. Er gehe derzeit davon aus, dass solche Portale, die an Sichtbarkeit im Google Such-Index verlieren würden, "tendenziell erheblich zurückgehen dürften":

Seit Monaten fallen besonders Portale wie billiger.de oder idealo (Axel Springer) auf, auch das Hotelportal HRS (über 1000 Mitarbeiter), welche teils erheblich an Sichtbarkeit in Google verloren haben. Noch nicht klar ist, ob hier tatsächlich Fehler im Seo (Search Enginge Optimization) begangen wurden, oder ob hier eine möglicherweise vorsätzlich durch Google herbeigeführte Abstufung in der Sichtbarkeit (und damit auch der daraus resultierenden Umsätze) erfolgte.

Aus dem Umfeld des traditionell qualitativ hochwertigen Preisvergleichsportals billiger.de, welches in Karlsruhe angesiedelt ist, heißt es jedenfalls: "Wir haben im Seo nichts falsch gemacht, auch nicht getrickst. Es ist eindeutig so, dass Google hier Konkurrenten zu Google Products abstraft, um selber in diesem Segment stärker als bislang zu wachsen".