Silicon Valley Investor Tim Draper: Bitcoins in Emerging Markets, Schwellenländer

Doch das ist nicht überall so: Völlig überraschend änderte kürzlich sogar der kalifornische Staat seine Politik und erlaubt es per Gesetztesänderung, dass Bitcoins offiziell als zusätzlich Währung in Kalifornien erlaubt sind. Das lockt Investoren an und das mag auch einer der Gründe sein, warum der Silicon Valley Wagniskapital-Geber Tim Draper (auch bekannt als: Timothy Draper), Co-Gründer der kalifornischen Draper Fisher Jurvetson Venture, in einer 12 Stunden dauernden Auktion am Montag angeblich 300.000 Bitcoins im angeblichen aktuellen Gegenwert von 19 Millionen US-Dollar ersteigerte. Mit ihm hatten 44 andere Investoren um diese Bitcoins geworben. Ursprünglich hatte es geheißen, man wisse nicht, wer die viel beachtete Bitcoin-Auktion in den USA für sich entscheiden habe können. Nun also scheint es Tim Draper zu sein. Er hatte bereits einmal angekündigt, er wolle Bitcoins möglicherweise in Schwellenländer, die Emerging Markets bringen:

Die virtuelle digitale amerikanische Währung Bitcoins ist in den vergangenen Monaten gewaltig unter Druck geraten: Diebstähle, staatsanwaltliche Ermittlungen in New York, Drohungen von russischer und chinesischer Seite, die amerikanische virtuelle Währung als illegal einzustufen und jeden Investor entsprechend zu verfolgen.

Doch Fakt ist: Das Investment in Bitcoins ist nach wie vor riskant. In den USA hatten Gerichte und Staatsanwaltschaften beispielsweise vor Monaten die virtuelle Währungs-Plattform Silk Road geschlossen, da man ihr vorwarf, sie diene illegalen Geschäften zur Geldwäsche.

Was Tim Draper vom Investmentfonds Draper Fisher Jurvetson nun mit den rund 19 Millionen Dollar bewerteten Bitcoins macht, ist noch nicht klar. Er sagte, er wolle die digitale Währung in die "developing world", also die Schwellenländer bringen und dort für eine weitere Expansion sorgen.

Anhänger schätzen an Bitcoins, dass sie eine Möglichkeit wären, die Welt von den realen Währungen zu befreien und nur noch digital zu bezahlen - also mit Smartphones oder Computern. Doch genau das wollen die meisten Staatsregierungen nicht. Währungen gehören traditionell zu einer zentralen Staatsaufgabe. Den Fehler, Währungen und das Geschäft mit dem Geld aus der Hand zu geben, hatten im Mittelalter in Europa die Königshäuser gemacht.

Damals hatte Geld und Handel in Europa noch keine hohe Bedeutung und man schob diese Bereiche fast ausschließlich den jüdischen Mitbürgern zu. Wozu dies führte, merkte man Jahrhunderte Später mit dem Entstehen der Industrialisierung: Banken und der Handel waren oftmals in Europa plötzlich jüdisch dominiert, der Staat selber hatte in diesen Bereichen kaum Einfluss – was wiederum zu gesellschaftlichen Spannungen führte.

Bitcoins sind "pieces of software code traded over the Internet", also eine digitale Währung, welche letztlich auf "programmierten Stücken beruht, welche mittels eines Codes über das Internet gehandelt werden". Erstmals hörte man von Bitcoins im Jahr 2009 - und zwar damals auf Grund eines Mannes, der sich Satotoshi Nakamoto nannte und als Erfinder der digitalen virtuellen Währung gilt.

Manche amerikanischen Retailer akzeptieren bereits Bitcoins

Seitdem wurden Bitcoins immer weiter verbreitet - bis hin in den Retail-Bereich, welche Bitcoins benutzen. Dazu zählen zum Beispiel Tiger Direct, New Egg oder Overstock.

Während in Russland oder China nach wie vor keine Akzeptanz gegenüber der digitalen Währung Bitcoins rechtlich besteht, änderten die USA zur Überraschung vieler in den vergangenen Monaten komplett ihre juristische Haltung und legalisieren die in den USA entstanden Währung zumindest in Teilen immer stärker. Ganz nach dem Motto: Wir dominieren bereist das Internet mit Google, Apple, Facebook, Twitter & Co, auch den Smartphone-Markt (mit Apple) oder den Softwaremarkt für Privat-Haushalte oder Unternehmen (Microsoft, Intel, Oracle), da kann es nichts schaden, wenn wir, die USA, nun auch noch Vorreiter einer möglichen neuen länderübergreifenden einheitlichen digitalen virtuellen Währung sind - eben der Bitcoins.

So änderten nun sogar selbst amerikanische Regierungs-Regulierer ihre Ansicht und die wichtige Wirtschaftsbehörde IRS sagte, man dürfe legal Bitcoins kaufen und verkaufen, auch als Anlageobjekt halten. Das ist eine komplette Rolle rückwärts zur über lange Zeiträume verkündeten Sichtweise von amerikanischen Staatsanwälten oder Richtern, wonach Bitcoins kriminelles Zeug sei.

Vor allem die Krise rund um die japanische weltweit bekannte Bitcoin-Börse Mt. Gox hatte nachhaltig Anleger wie Journalisten verschreckt. Seit dem Skandal vor einigen Monaten (angeblich wären Bitcoins im Wert von einigen Millionen Euro geklaut worden) hatten viele die Bitcoins nach einem Medien-Hype eigentlich schon wieder abgeschrieben.

Dass Bitcoins ein Wagniskapital erster Güte ist und nichts für Kleinanleger, zeigt sich daran, dass der Kurs der Bitcoins aktuell innerhalb von einer Woche von 100 US-Dollar auf nunmehr 650 Dollar gestiegen ist. Die staatliche Versteigerung zu Bitcoins, die nun Wagniskapitalgeber Tim Draper, der Co-Gründer der kalifornischen Draper Fisher Jurvetson Venture, für sich entscheiden konnte, mag erheblich zu diesem Kursanstieg beigetragen haben. Hinzu kommt die juristische zunehmende Legalisierung und Entkriminalisierung.

Bitcoins unterliegen starken Wert-Schwankungen, sind hoch spekulativ

Dass der Kurs von Bitcoins starken Schwankungen unterliegt, beruht auf der Tatsache, dass Bitcoins in der Konzeption von Anfang an stark limitiert in den Umlauf gebracht wurden und damit bislang als Massen-Zahlungsmittel nicht in Frage kommen dürfte. Auch stört viele der unkontrollierbare starke amerikanische Einfluss auf die Entwicklung und Weiterentwicklung der Bitcoins. Niemand in der EU, in Russland oder in China, möchte ein zweites Mal in eine Art NSA-Falle der Amerikaner treten.

Aus dem Umfeld des Silicon Valley Investors Draper sowie seines Sohnes Adam verlautbart, sie wollten nun das ersteigerte größere Paket an Bitcoins dazu nutzen, um in Schwellenländern, also den "emerging markets" damit Geschäfte zu machen. Dass die "Emerging markets" für Spekulanten interessant sind, ist schon länger bekannt. Dass hier auch eine Marktlücke für Bitcoins vorhanden sein könnte, liegt auf der Hand, da in Schwellenländern die staatliche Währung traditionell hohen Kurs-Unruhen unterlegen ist und die Angst vor der nächsten Inflation oder Hyperinflation den dortigen Bürgern und Unternehmen täglich im Nacken sitzt.

So sagte denn auch Spekulant und Wagniskapital-Geber Draper, wonach er davon ausgehe, dass Bitcoins die Chance angeblich hätte, "Menschen zu befreien und ihnen Möglichkeiten gibt, in einer modernen Wirtschaftswelt zu agieren". Mit dem nun übernommenen Bitcoins-Paket wolle man Menschen oder Unternehmen in Schwellenländern mittels neuer Services helfen - durch eine neue digitale mögliche Liquidität und Sicherheit, welche man angeblich bieten könne.

Emerging Markets nun für Bitcoins - das kann ein gefährliches Spiel sein

Doch dass die Emerging Markets nicht mehr das Gelbe vom Ei sind, darauf weist das aktuelle deutsche Manager Magazin hin. So schreiben die MM-Autoren Philipp Alvares de Souza Soares und Ulric Papendick in der Manager Magazin Ausgabe 7/2014 Ende Juni 2014 (Seite 82 bis 87):

"Jahrelang wurde die Globalisierung als Motor des Wachstums gefeiert. Jetzt stößt sie erstmals an Grenzen. Vor allem für die Deutschen steht viel auf dem Spiel… Den Chinesen bleibt gar nichts anderes übrig, als sich die Wertschöpfungskette hochzuhangeln. Die Arbeitskosten haben sich seit 2004 nahezu verdreifacht auch die Energiepreise sind rasant gestiegen. Mittlerweile ist die industrielle Produktion kaum noch günstiger als in den USA, haben die Berater der Boston Consulting Group errechnet. Bei den gehobeneren Jobs hat sich das Gehaltsgefüge sogar noch stärker verschoben… ‚ein guter Geschäftsführer kann heute in China mehr kosten als in Deutschland‘…".

Für Unternehmen wie VW… werde das zunehmend zum Problem. Weiter führt das Manager Magazin zu den Emerging Markets aus: "Vom Pharmahersteller Boehringer Ingelheim über den Autozulieferer Bosch bis hin zum Kosmetikriesen Henkel setzen sich etliche deutsche Konzerne dieser Tage in internen Strategiemeetings mit der Frage auseinander, was denn nun aus den viel gelobten Emerging Markets wird", folgert das Manager Magazin.

Dabei gehe es aber "keineswegs nur um China". Betroffen seien auch Länder wie Brasilien. Das Land der Fußball WM habe seine Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den großen Industrienationen binnen zehn Jahren komplett eingebüßt und schotte sich weiter ab. Zudem seien die Arbeitskosten in zehn Jahren aufs doppelte gestiegen, schreibt das Manager Magazin in seiner aktuellen Ausgabe. Hinzu komme, dass die Strompreise in Brasilien "um 300 Prozent gestiegen" seien.

Auch mit Indien geht das Manager Magazin hart ins Gericht: "Indien, ein anderer einst gefeierter Aufstiegskandidat, bekommt die ausufernde Bürokratie und Korruption einfach nicht in den Griff." So zitiert denn auch das Wirtschafts-Fachmagazin Stefan Bielemeier, den Chefvolkswirt der DZ Bank mit den Worten: "Die Strategie der Emerging Markets, mit billigen Arbeitskräften und niedrigen Zinsen ihren Anteil an der globalen industriellen Wertschöpfung hochzuschrauben, geht nicht mehr auf". Die Schwellenlänger hätten sich schlicht "verzockt", so der Banker. Damit hätten die westlichen Industrieländer "zunehmend ein Problem", ist sich das Manager Magazin sicher.

"In fünf Jahren sind Bitcoins deutlich mehr wert oder deutlich weniger"

Ob eine solche vernichtende Analyse der Boden für eine neue digitale Währung in Schwellenländern ist? Jedenfalls kündigte der amerikanische Spekulations-Investor Draper an, er wolle versuchen noch mehr Bitcoins aufzukaufen - vorwiegend durch Investments in anderen Bitcoin-Unternehmen oder Bitcoin-Plattformen. Seine Prognose: "In fünf Jahren wird das alles deutlich mehr wert sein als heute oder deutlich weniger". Er selbst sehe sich als Investor und zwar als ein Langzeit-Investor.

In seiner Investmentfirma Vaurum, mit Sitz im kalifornischen Örtchen Palo Alto, arbeitet Draper unter anderem mit Battery Ventures oder AOL-Co-Gründer (America Online Inc. co-founder) Steve Case zusammen.

Doch Venture-Figur Draper hat auch höhere politische Ziele, als die Welt der Währungen mit Bitcoins durcheinander zu wirbeln. So kämpft er derzeit für eine kalifornische Bürgerinitiative, welche zum Ziel hat, den Staat Kalifornien in sechs kleinere Staaten aufzuteilen. Bis zum 18. Juni gelang es ihm und seinen Mitkämpfern bereits 807.615 Unterschriften für ein solches Kleinstaaten-Prinzip zu bekommen. Als Grund für die neue amerikanische Kleinstaaterei gibt Draper an, wonach die sozialen Standards, auch die sozialen staatlichen Möglichkeiten in den Regionen zu unterschiedliche seien.

Dass die Aussicht auf Kleinstaaterei eine genauso große wie riskante und teure Spekulation sein kann, wie die Bitcoins, das wissen die Deutschen aus leidlicher Erfahrung: Das über Jahrhunderte gehaltene Heilige Römische Reich Deutscher Nation sorgte zwar über Jahrhunderte für ein bekömmliches und reiches Leben unzähliger Grafen, Fürsten, Herzogen, Großherzögen oder Königen. Doch führte das auch zur Ausbeutung von Millionen und Menschen und endete in der deutschen und europäischen Katastrophe zweier Weltkriegen mit über 100 Millionen Toten.