Autozulieferer Schaeffler Trennung mit Chef Jürgen Geißinger

Geißler hatte 2008 den geplanten Übernahmedeal für Schaeffler bei Continental eingefädelt und hätte um ein Haar den Autozulieferer damit in den Konkurs getrieben. Allerdings hatte er die versuchte Übernahme, manche sprachen damals auch von einer versuchten feindlichen Übernahme, nicht im Alleingang durchführen wollen, sondern mit Rückendeckung der Schaeffler-Großaktionärin Maria-Elisabeth Schaeffler.

Screenshot: Schaeffler-Homepage
Der Vorstand der Schaefler Gruppe wird wohl umgebaut.

Der Autozulieferer und größte Aktionär des Autoreifenherstellers und Dax-Konzerns Continental AG, die Schaeffler AG, bekommt einen neuen Vorstandsvorsitzenden. Nach 15 Jahren müsse nun, heißt es aus dem Umfeld von Schaeffler, der bisherige CEO, Dr. Jürgen M. Geißinger, 54, gehen. Geißler war seit 1998 für die Schaeffler-Gruppe tätig.

Nachfolger von Jürgen Geißinger solle nun möglicherweise nur übergangsweise Finanzvorstand Klaus Rosenfeld werden. Das Handelsblatt schiebt ihm schon einmal "Herkulesaufgaben" zu, welche er anpacken und lösen müsse. Die angesehene Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) wiederum, bekannt für exzellente Kontakte in höchste Führungskreise der deutschen Unternehmen, schreibt sinngemäß, aber relativ deutlich, wonach es zunehmend Dissonanzen zwischen der Hauptaktionärs-Familie Schaeffler und Geißinger gegeben habe.

Ursprünglich, schreiben zahlreiche Medien übereinstimmend, hätte ein Wechsel auf dem Vorstandssessel des weltweit aktiven Autozulieferers Schaeffler erst zum Jahreswechsel 2013 / 2014 durchgeführt werden sollen. Die FAZ selber schreibt, sie habe Informationen, wonach "die Familieneigentümer Maria-Elisabeth Schaeffler und ihr Sohn Georg nun die Reißleine" gezogen hätten, was auf einen Streit zwischen Vorstandschef und Anteilseigner hindeute. Offiziell heißt es jedoch, die Auflösung des Vorstandsvertrages zwischen Schaeffler und Geißinger erfolge "in gegenseitigem Einvernehmen mit sofortiger Wirkung."

Weiter schreibt die Frankfurter Allgemeine Zeitung, wonach in einer Telefonkonferenz der Aufsichtsratsvorsitzende Georg Schaeffler betont habe, dass es keinen Streit und keine Eskalation zwischen der Familie Schaeffler und ihrem langjährigen Vorstandschef gegeben habe.

Wenig gut klingt, was aus dem sonstigen Umfeld des bisherigen Vorstandschefs zu hören ist. So schreibt die FAZ, wonach man den Eindruck gewonnen habe, dass geradezu kampagnenartig Leserbriefschreiber sich für den Verbleib von Geißinger im Amt des CEO eingesetzt hätten. Ob es treue Anhänger aus der Belegschaft von Geißinger waren oder ob gar die Unternehmenskommunikation oder sonstige interessierte Kreise hier mitgewirkt haben, ist nicht bekannt.

Die Schaeffler KG gilt als ein Weltmarktführer im Bereich der Kugel- und Wälzlagerherstellung. Die Schaeffler Gruppe hält derzeit an Continental einen Anteil von 46%, ist aber mit rund 9 Mrd. Euro verschuldet. Erst kürzlich konnte Schaeffler für einen Aktienverkauf an Continental in Höhe von rund 4 Prozent fast eine Mrd. Euro einlösen und damit den Schuldenstand weiter reduzieren.

Insgesamt hatte die versuchte Übernahme von Continental die Schaeffler-Gruppe fast 12 Mrd. Euro gekostet und fast an den Abgrund gebracht. Nur das beherzte Kämpfen sowohl von der Hauptaktionären Maria-Elisabeth Schaeffler als auch der Gewerkschaft IG Metall, des Betriebsrats und der Belegschaft, konnte die Schaeffler-Gruppe retten. Sonst wären wohl tausende Menschen in Deutschland arbeitslos geworden und der Industriestandort Deutschland wäre weiter geschwächt worden. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte damals aber – im Gegensatz zu der Commerzbank – eine Hilfe für die Schaeffler-Gruppe abgelehnt. Merkel hätte mit ihrer CDU also nichts zum Erhalt der Arbeitsplätze beigetragen.

In einem öffentlichen Auftritt von Maria-Elisabeth Schaeffler, in dem sie Tränen im Gesicht hatte, bat sie im Zuge der versuchten aber um ein Haar gescheiterten Übernahme der Continental AG, die Banken, ihrem Unternehmen in der Not der Wirtschaftskrise, welche 2008 weltweit grassierte, beizustehen und das Unternehmen nicht fallen zu lassen.

Fünf Jahre später sind sich alle Experten einig: Dass die Banken damals der Schaeffler-Gruppe beistanden, war richtig und wirtschaftlich nachhaltig. Unstrittig ist auch, dass Jürgen Geißinger maßgeblich dazu beigetragen hat, dass die Schaeffler-Familie heute weltweit als eine der reichsten gilt. So findet sich Maria-Elisabeth Schaeffler, die als umgänglich gilt, unter den Top-200 der reichsten Milliardäre auf diesem Globus. Homepage: www.schaeffler-gruppe.de

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