Job Richtig bewerben - Tipps vom Münchner Karrierecoach Tom Schindler

Bewerbungstipps - Da sitz ich nun ich armer Tor! Und bin so klug als wie zuvor. So wie es Faust in Goethes berühmtestem Werk erging, mag es wohl dem ein- oder anderen von Euch ergehen, wenn Ihr vor dem berühmten leeren Blatt Papier oder heutzutage natürlich dem leeren Laptop Dokument sitzt, auf dem irgendwann mal EURE Bewerbung stehen soll......

Tom Schindler kommt aus Bad Füssing bei Passau. Er ist ein Einser-Abiturient und hat in München unter anderem Kommunikationswissenschaften studiert, ehe er sich mit anderen Freunden selbständig machte und die Studentenbörse München gründete. Heute ist er selbständiger Coach - für Studenten und Berufstätige.

Bevor DU – kopflos! - zur Tat schreitest und für Deine Bewerbung in die Tasten haust, mach Dir UNBEDINGT erst mal ein paar grundsätzliche Gedanken. In einem Gastbeitrag für Netz-trends beschreibt der selbständige Studentencoach sowie Münchner Coach mit psychotherapeutischem Ansatz buddhistischer Prägung, Tom Schindler, worauf ihr bei einer Bewerbung achten müsst. Tom gehörte früher zudem zu den Gründern der Studentenbörse München, für die er aber nicht mehr arbeitet und seine Anteile verkauft hat.

Von Tom Schindler:

Wer sich erfolgreich bewerben möchte, muss auf zahlreiche Aspekte achten.

1. Möchtest Du die ausgeschriebene Stelle WIRKLICH und von GANZEM Herzen?

Du wirst nur dann eine gute Bewerbung zustande bringen, wenn Du wirklich für die Position brennst! Falls nicht, lass es! Verwende besser Deine Energie für 3 bis 4 Stellenangebote, die Du UNBEDINGT haben möchtest als für 20 bis 25 halbherzige Bewerbungen, bei denen Du denkst „ja da könnte ich mich auch mal bewerben.....“

Beachte: Es reicht absolut aus, wenn Du 70 bis 80 % der ausgeschriebenen Qualifikationen mitbringst. Die Unternehmen suchen – glaubt man deren Ausschreibungen – immer den „perfekten“ Bewerber. Im bayerischen Sprachgebrauch gibt’s hierfür einen wunderbaren Ausdruck: Die Suche nach der "eierlegende Wollmilchsau"!

Sowas gibt’s in der Realität aber nicht! Wir sind ALLE Menschen und deshalb – Gott sei Dank! - nicht zu 100 % perfekt!

2. Was ist DEIN USP für die Stelle?

Der Ausdruck kommt aus der BWL und steht für die Abkürzung Unique Selling Point – zu Deutsch Alleinstellungsmerkmal.

Also: Was unterscheidet DICH von anderen Bewerbern? Warum sollte das Unternehmen gerade DICH einstellen und nicht Bewerber XY?

Dies kann eine fachliche Qualifikation sein wie eine spezielle Programmier- oder Fremdsprache, eine bestimmte Praxiserfahrung wie zum Beispiel im Bereich Projektmanagement, die Du mitbringst oder auch ein spezifischer Softskill wie Durchsetzungsfähigkeit, den Du bereits unter Beweis stellen konntest.

Es versteht sich von selbst, dass Dein USP für die Position von Relevanz sein muss.

Wenn Du ihn adhoc nicht findest, dann forsche danach! Lass Dir gegebenenfalls von Freunden oder Bekannten helfen, weshalb gerade DU der/die RICHTIGE für die Position bist oder nimm das Angebot eines Job Coaches oder Karriereberaters in Anspruch.

3. DEIN FOTO

SUPER WICHTIG!! Deutschland ist eines der ganz wenigen Länder weltweit, bei der ein Bewerbungsbild immer noch die Regel ist.

Es ist immer das Foto, worauf Personaler/innen bei der Bewerbung als erstes schauen. Bereits hier findet eine erste Selektion statt nach den Kriterien: Wirkt sympathisch oder wirkt nicht sympathisch. Ein Unternehmen wird vermutlich keinen Bewerber/in einstellen, der auf den ersten Blick unsympathisch erscheint.

Also zeig Dich in Deinem besten Licht: Geh zu einem professionellen Photographen (Automatenbilder sind ein absolutes NO GO!), zu dem Du einen guten Draht spürst und der Dir ein Set von verschiedenen Einstellungen und Perspektiven vorschlägt. Am wichtigsten ist eine freundliche und offene Ausstrahlung (LÄCHELE!!). Die Kleidung ist hierbei eher sekundär. Selbstverständlich sollte diese gepflegt und sauber sein, sowie zur Position passen.

Grundsatz wie auch beim späteren Jobinterview: Besser overdressed als underdressed!

4. Dein Lebenslauf – CV

Die Formalitäten eines guten CV (aus dem Lateinischen: Curriculum Vitae) kannst Du Dir jederzeit als Vorlage im Netz runterladen – zum Beispiel von meiner Website den Lebenslauf2Go unter https://www.studentencoaching-muenchen.de/nützliche-links/, deshalb möchte ich mich hier auf die ESSENTIELLEN Punkte in Bezug auf Aufbau und Inhalt beschränken:

5. Antichronologischer und übersichtlicher Aufbau

Beginne immer mit dem Aktuellen, das heisst: Wenn Du studierst, dann beginne mit Deinem Studium, seit wann, an welcher Universität/Hochschule, gegebenenfalls welcher Schwerpunkt. Hast Du Dein Studium gerade abgeschlossen, dann erwähne zusätzlich Deinen Abschluss (zum Beispiel Bachelor) und die Abschlussnote, wenn sie gut ist.

Bist Du bereits in einer ersten Anstellung, dann beginne natürlich hiermit, zähle Firma, Position und stichpunktartig Deine Aufgaben auf.

Ich empfehle Dir grundsätzlich besser mit Stichpunkten als mit ganzen Sätzen zu arbeiten, das wirkt übersichtlicher.

…. und: Dein Lebenslauf als Student, Absolvent oder Young Professional sollte zwei Seiten KEINESFALLS überschreiten!

6. Aussagekräftig

Erwähne in Deiner Praxiserfahrung, WAS für die ausgeschriebene Position von Relevanz ist. Das bedeutet, führe genau diese Punkte in kurzen Stichpunkten näher aus. Was nicht relevant für die Stelle ist, solltest Du zwar erwähnen, musst es aber nicht näher erklären. Setze also ganz gezielt Schwerpunkte in Deinem CV und verändere sie, wenn für eine andere Position oder eine andere Branche womöglich andere Schwerpunkte wichtig sind.

Beachte: Weniger ist mehr! Personaler/innen wollen einen schnellen und fundierten Überblick über Deinen Werdegang. Deshalb musst Du nicht jeden Aushilfsjob erwähnen, wenn er für die ausgeschriebene Stelle nicht von Bedeutung ist.

Ausnahme: Es ist Dir wichtig hervorzuheben, dass Du Dein Studium vollkommen eigenständig finanziert hast.

7. Lückenlos

Wenn Du Zeiten in Deinem CV nicht benennst oder auslässt, erzeugt das Misstrauen und den Verdacht Du möchtest etwas verheimlichen.

Ergo: Dein CV darf - angefangen von Deiner Schulzeit bis zum jetzigen Zeitpunkt - KEINE GRÖSSEREN Lücken aufweisen. Zwei bis drei Monate sind natürlich kein Problem, wenn Du zum Beispiel nach dem Abitur oder dem Studienabschluss erstmal eine kleine Auszeit eingelegt hast.

Solltest Du darüber hinaus grössere berufliche Auszeiten in Deinem Leben haben – aus welchen Gründen auch immer - versuche diese möglichst geschickt und attraktiv zu verpacken. Anstatt zu schreiben „Arbeitslos von … bis …“ bei Berufserfahrenen beispielsweise ist es sinnvoller von „Beruflicher Neu- oder Umorientierung“ zu sprechen.

Bist Du länger um die Welt gereist, hebe Deine neu gewonnenen Sprachkenntnisse oder interkulturellen Erfahrungen hervor. Auch die Erwähnung eines Work- and Travel Programm macht sich immer gut. Hauptsache Du hast irgendeinen Nutzen daraus gezogen, den Du dann in Deinem CV dokumentieren kannst.
Idealerweise belegst Du das auch noch mit einem Fremdsprachen- oder Arbeitszertifikat.

Etwas kniffliger ist es bei krankheits- oder familiär bedingten Auszeiten. Hier gilt es einen guten Mittelweg zu finden zwischen WAHRHEIT und geschickter VERPACKUNG.

Im Zweifelsfall hol Dir Hilfe von einem erfahrenen Bewerbungscoach oder Karriereberater!

8. …. Zeig DICH als MENSCH!

Neben Deiner schulischen und universitären Ausbildung, Deinen Praxiserfahrungen in Form von Praktika und Werkstudententätigkeiten, Deinen Sprach- und IT Kenntnissen kommen auch ausseruniversitäres oder soziales Engagement bei Personalern immer gut an.

Zu guter Letzt – und da ich die Frage danach sehr häufig gestellt bekomme – erwähne am Schluss IMMER Deine Hobbies oder Interessen. Man möchte ja schliesslich auch etwas über Dich als Mensch erfahren. Vielleicht war der/die Personalentscheider/in in seinem/ihrem Studium ja auch mal in Brasilien oder Kambodscha beim Backpacking und schon habt Ihr eine Gemeinsamkeit und einen persönlichen Anknüpfungspunkt für ´s Bewerbungsgespräch.

9. Dein Anschreiben

Nun zu dem Teil Deiner Bewerbung, wo Du Deiner Kreativität freien Lauf lassen kannst!

Damit die Formalien stimmen, kannst Du Dir auch hier wieder eine Vorlage aus dem Netz herunterladen – Anschreiben2Go unter https://www.studentencoaching-muenchen.de/nützliche-links/

Folgt nenne ich Dir Aspekte, die für einen guten Cover Letter entscheidend sind.

Der Einstieg

Ob Du mit einem Standardeinstieg startest wie „Mit grossem Interesse habe ich Ihre Stellenausschreibung gelesen....“ oder eher einen kreativen, individuellen Einstieg wählst, hängt entscheidend davon ab, ob Du tatsächlich gleich im ersten Satz eine – am besten „emotionale“ Verbindung zwischen Dir und dem Unternehmen beziehungsweise der ausgeschriebenen Position herstellen kannst. So ist mir zum Beispiel aus meiner langjährigen Personalberatertätigkeit ein solch gelungener Einstieg in Erinnerung geblieben:

„Sehr geehrte Frau …,
als Familienvater liegt mir eine umweltschonende und sichere Fortbewegung sehr am Herzen...“

Dies war der Einstiegssatz eines Entwicklungsingenieurs, der sich bei einem international tätigen Ingenieurdienstleister im Bereich Mobilität beworben hatte.

Sollte es Dir nicht gelingen, eine „zündende“ Idee zu finden, bleibe lieber beim Standard! Nichts ist peinlicher als, wenn der/die Personalverantwortliche bemerkt, wie Du Dir „krampfhaft“ und „gewollt“ einen „pseudo“ originellen Einstieg aus den „Fingern saugst.“

Ausbildungshintergrund/Akademischer Hintergrund

Hier kannst Du eigentlich nicht viel falsch machen, wenn Du sachlich beschreibst, was Du studierst oder studiert hast und mit welchen fachlichen Schwerpunkten. Idealerweisen passt dies alles natürlich zur ausgeschriebenen Position und Du kannst darüber hinaus – vielleicht durch ein Praxisprojekt am Lehrstuhl – einen kompetenten Bezug zur Stelle herstellen.

Darstellung der fachlichen Kompetenzen und Deiner Praxiserfahrung

Im Hauptteil stellst Du nun dar, wie die erlangten Qualifikationen durch Dein Studium und Deine praktischen Erfahrungen sich mit den Aufgaben und Anforderungen der Stelle decken.

Mit anderen Worten: Die Jobausschreibung – mit der sich das Unternehmen in der Regel viel Mühe gemacht hat! – und Deine Kompetenzen passen im Idealfall wie die berühmte „Faust aufs Auge“. Hierzu zählen natürlich auch Deine IT – Kenntnisse, soweit in der Ausschreibung gefordert. Zähle also relevante Praktika und Werkstudententätigkeiten, sowie deren wichtigste Inhalte, auf und beschreibe wie Du Deine erlangten Kompetenzen produktiv und konstruktiv in die Position einbringen möchtest.

Beispiel: „Im Rahmen meines Praktikums bei der Firma XY konnte ich durch die Mitarbeit an verschiedenen Projekten im strategischen Einkauf bereits wertvolle Erfahrung im Bereich Projektmanagement sammeln und einige Aufgaben, wie die Erstellung von Kostenplänen, selbständig durchführen. Diese Expertise möchte ich gerne in Ihrem Unternehmen gewinnbringend einbringen und weiterentwickeln.“

Sei hierbei unbedingt selbstbewusst und stelle Deine persönlichen Erfolge heraus!

Zeige dem Unternehmen, wie Du Herausforderungen angenommen und Verantwortung übernommen hast.

Darstellung der persönlichen Kompetenzen (Social Skills)

Führe nun ebenso Deine Sozialkompetenzen auf, wie zum Beispiel Deine Teamfähigkeit, Dein Durchsetzungsvermögen, Deine Kommunikationsfähigkeit oder Deine schnelle Auffassungsgabe, um nur einige Beispiele zu nennen. Achte hierbei aber UNBEDINGT darauf diese mit einem Beispiel zu verknüpfen.

Wie und wo konntest Du diese bereits einbringen?

Beispiel: „Zuverlässigkeit, Engagement und Teamfähigkeit zählen zu meinen persönlichen Stärken. Diese konnte ich bereits als Tutor während des Studiums erfolgreich unter Beweis stellen bei der Betreuung und Integration von ausländischen Studierenden in den deutschen Studienalltag. Die Tätigkeit ermöglichte mir darüber hinaus meine interkulturellen Kompetenzen zu schulen und auch mit unvorhersehbaren Situationen souveräner umzugehen.“

Natürlich ist hier auch der Platz, um Deine Auslandserfahrung und eventuell spezielle Fremdsprachenkenntnis hervorzuheben.

Bezug zum Unternehmen herstellen

Am Ende kannst Du – wenn Du magst, es für Dich stimmig erscheint und Du es vorher noch nicht getan hast – herausstellen, was Dich speziell an DIESEM Unternehmen reizt. Auch hierbei ist wieder große VORSICHT geboten, dass es nicht „gewollt“, „anbiedernd“ oder schlicht „unprofessionell“ wirkt.

Ein solches Negativbeispiel wäre: „BMW ist mein absoluter Traumarbeitgeber! Schon als kleiner Junge habe ich am liebsten mit BMW Matchbox Autos gespielt und natürlich fahre ich heute einen BMW.“

Dieses Beispiel ist NICHT erfunden, sondern habe ich in meiner Funktion als Personalberater für Jungakademiker tatsächlich mehr als einmal erlebt.

Ein positives Beispiel wäre: „Die internationale Ausrichtung Ihres Unternehmens, die flachen Hierarchien und der Fokus auf nachhaltige Produktentwicklung sprechen mich sehr an.“

Abschluss

Am Ende nennst Du schliesslich noch Deinen frühestmöglichen Eintrittstermin und Deinen Gehaltswunsch, falls dieser verlangt wird. Bleibe hierbei immer realistisch, informiere Dich vorher bei Freunden, Bekannten, in Karriere- oder Gehaltsportalen, was angemessen ist. Ich empfehle Dir besser eine Fixzahl als eine Gehalts „Range“ zu benennen. Diese sollte natürlich höher als Deine persönliche Schmerzgrenze ausfallen, was die Bezahlung anbelangt, damit gegebenenfalls noch etwas „Spielraum nach unten“ besteht.

Positiv abschliessen kannst Du Deine Bewerbung mit dem Satz: „Ich freue mich auf ein persönliches Kennenlernen.“

Die Unterschrift unter Deiner Bewerbung sollte in blau mit einem Füller oder Tintenroller erfolgen. Dies wirkt „edel“ und „wertig“ und eben nicht „billig“ wie mit einem normalen Kugelschreiber. Natürlich kannst Du Deine Unterschrift einscannen und diese dann jeweils in Dein Online-Anschreiben einfügen.

Zusammenfassung

In einem GUTEN ANSCHREIBEN sollten die folgenden Punkte beachtet werden:

- IMMER Deine MOTIVATION für die Stelle KLAR und DEUTLICH zum Ausdruck bringen.
- Es sollte ÜBERSICHTLICH, KLAR und LOGISCH aufgebaut sein.
- Es sollte KEINE RECHTSCHREIB - und KOMMATA FEHLER enthalten.
- Es sollte NIE länger als EINE SEITE sein - Lerne Dich auf das WICHTIGE zu beschränken!
- In der KÜRZE liegt die WÜRZE …
- Es MUSS auf JEDE Stellenausschreibung NEU und INDIVIDUELL angepasst werden - KEINE STANDARDBEWERBUNGEN!!


Anhänge

Deine Abschlusszeugnisse (ab Abitur oder weiterführende Schule), relevante Arbeitszeugnisse, Zertifikate und Referenzen packst Du - antichronologisch geordnet und am besten in Farbe gescannt - in ein Extra PDF Dokument genau wie CV und Anschreiben.

Ein letzter KLICK und die Reise in Deine BERUFLICHE ZUKUNFT kann beginnen ... ☺Viel Erfolg.



Über den Autor

Tom Schindler (M.A.) ist zertifizierter Coach, Karriereberater und Bewerbungstrainer. Er ist Inhaber von Studentencoaching-München und der Buddhistisch fundierten Psychotherapie München. Zudem war Tom 12 Jahre Mitinhaber und Geschäftsführer einer Personalberatung und -vermittlung für Jungakademiker mit drei Standorten in München und Hamburg.

Studentencoaching-München ist ein führendes Angebot für Bewerbungstraining, Karriereberatung und Einzelcoaching. Es wendet sich primär an die Zielgruppe Studenten, Hochschulabsolventen, Doktoranden und Young Professionals.

Weitere Infos unter: www.studentencoaching-münchen.de