Während der deutsche Bundestag über einen schrumpfenden Milliarden-Zuschuss streitet, sollen die Netzentgelte in Österreich 2027 für die meisten Haushalte erstmals wieder sinken.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Wirtschaftsausschuss des deutschen Bundestags hat am 6. November 2026 Sachverständige zum sinkenden Bundeszuschuss für die deutschen Übertragungsnetzkosten angehört – er fällt 2027 von 6,5 auf rund 5,53 Milliarden Euro.
  • In Österreich legt nicht der Bund per Zuschuss, sondern die unabhängige Regulierungsbehörde E-Control die Netzentgelte jedes Verteilnetzbetreibers jährlich per Verordnung fest.
  • Laut einem Entwurf, den das Wirtschaftsministerium (BMWET) am 29. Oktober 2026 vorgestellt hat, sollen Österreichs Netzkosten für Haushalte 2027 im Schnitt um 3,6 Prozent sinken, bei einer neuen Tarifstruktur um 5,7 Prozent.
  • Die Entwicklung ist regional sehr unterschiedlich: Niederösterreich und Wien profitieren deutlich, in Kärnten, Tirol, Oberösterreich und Graz steigen die Netzentgelte dagegen.

Während der deutsche Bundestag über einen schrumpfenden Zuschuss für die Stromnetze streitet, sollen die Netzentgelte in Österreich 2027 für die meisten Haushalte sinken. Hierzulande legt nicht der Bund, sondern die Regulierungsbehörde E-Control die Tarife fest.

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Die beiden Länder lösen dieselbe Grundfrage – wer trägt die Kosten der Stromnetze – auf ganz unterschiedliche Weise. In Deutschland übernimmt der Bund per Gesetz einen Teil der Übertragungsnetzkosten; sinkt dieser Zuschuss, drohen höhere Entgelte auf der Stromrechnung. In Österreich gibt es keinen vergleichbaren Bundeszuschuss zu den Netzkosten der Verteilnetzbetreiber. Stattdessen hat die Bundesregierung mit dem sogenannten Billigstromgesetz eine gesetzliche „Netzkostenbremse“ geschaffen, auf deren Basis die E-Control die Tarife für 2027 nun erstmals seit Jahren senken will.

Was der deutsche Bundestag verhandelt

Im deutschen Bundestag ging es am Freitag, den 6. November 2026, um den „Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Energiewirtschaftsgesetzes zur Gewährung eines Zuschusses zu den Übertragungsnetzkosten für die Jahre 2027 bis 2029“ (Bundestags-Drucksache 21/8236) der deutschen Bundesregierung. Der Wirtschaftsausschuss hörte dazu fünf Sachverständige an. Der deutsche Bundeszuschuss zu den Kosten der vier großen Übertragungsnetze soll 2027 von 6,5 auf rund 5,53 Milliarden Euro sinken, macht aber bis 2029 immer noch rund 16,56 Milliarden Euro aus. Die vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber hatten im Oktober vorläufige Entgelte von 3,54 Cent pro Kilowattstunde veröffentlicht – unter der Bedingung, dass der Zuschuss bis 7. Dezember 2026 rechtssicher beschlossen ist. Andernfalls drohen ihnen zufolge höhere Entgelte, bis zu 6,52 Cent pro Kilowattstunde ohne jeden Zuschuss. Das deutsche Gesetzgebungsverfahren betrifft ausschließlich die Übertragungsnetzkosten in Deutschland; eine unmittelbare rechtliche Wirkung für Österreich hat es nicht.

Wie Netzentgelte in Österreich funktionieren

In Österreich gibt es kein Pendant zum deutschen Bundeszuschuss. Die Netzentgelte – der Teil der Strom- und Gasrechnung, der Bau, Ausbau und Betrieb der Netze finanziert – werden stattdessen von der E-Control festgelegt, der gemeinsamen Regulierungsbehörde von Bund und Ländern für Strom und Gas. Sie legt jährlich per Systemnutzungsentgelte-Verordnung die Tarife jedes einzelnen Verteilnetzbetreibers fest, auf Basis von dessen anerkannten Kosten für Netzausbau, -betrieb und -verluste. Der Netzbetreiber selbst ergibt sich aus dem Wohnort und ist – anders als der Stromanbieter – nicht frei wählbar.

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Nachdem die Netzentgelte 2025 um mehr als 20 Prozent gestiegen waren und 2026 nur durch Mittel aus dem Regulierungskonto auf rund 1 Prozent Anstieg gedämpft werden konnten, hat die Bundesregierung mit dem Billigstromgesetz die gesetzliche Grundlage für eine „Netzkostenbremse“ geschaffen: längere Abschreibungsdauern für Netzanlagen und rund 450 Millionen Euro, die 2027 bis 2029 zur Dämpfung der Netzkosten bereitstehen. Die E-Control hat dazu einen Begutachtungsentwurf für die Systemnutzungstarife-Verordnung 2027 vorgelegt; die endgültigen Tarife legt sie nach Abschluss der Begutachtung fest.

„Dass die Netzentgelte 2027 erstmals wieder sinken sollen, ist ein positives Signal für unseren Reformkurs.“

Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP), Bundesminister für Wirtschaft, Energie und Tourismus

Die geplanten Tarife 2027 im Überblick

Laut dem Entwurf, den das Wirtschaftsministerium gemeinsam mit der E-Control am 29. Oktober 2026 vorgestellt hat, sinken die Netz- und Netzverlustentgelte für Haushalte im Österreich-Schnitt 2027 um rund 3,6 Prozent gegenüber der bisherigen Tarifstruktur mit Arbeitspreis und pauschalem Leistungsanteil. Bei einem Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden entspricht das rund 15 Euro Ersparnis pro Jahr. Mit der neuen, stärker leistungsbezogenen Tarifstruktur, die den bisherigen Pauschalanteil bis spätestens Mitte 2028 ablösen soll, fällt die Entlastung mit rund 5,7 Prozent beziehungsweise rund 24 Euro pro Jahr höher aus. Die Netzbetreiber können den Umstieg auf den neuen Leistungspreis selbst terminieren; ein Start zum 1. Jänner 2027 wäre laut dem Entwurf theoretisch möglich, die meisten Betreiber planen ihn aber erst für 2028.

Bei Gas ist die Richtung umgekehrt: Die Netzentgelte sollen 2027 im Österreich-Schnitt um rund 7 Prozent steigen, weil durch sinkenden Gasverbrauch und weniger Transit weniger Menge die Netzkosten trägt. Die Bundesregierung plant dazu eine Novelle des Gaswirtschaftsgesetzes.

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Regionale Unterschiede in Österreich

Wie stark die Entgelte 2027 tatsächlich sinken oder steigen, hängt stark vom jeweiligen Netzgebiet ab. Nach dem bisherigen Tarifsystem sinken die Netzkosten laut dem E-Control-Entwurf in Niederösterreich um rund 12 Prozent und auch in Wien, während sie in Kärnten um rund 9,6 Prozent steigen. Höhere Entgelte zeichnen sich zudem für Tirol (inklusive Innsbruck), Oberösterreich (inklusive Linz) und Graz ab. Bei der neuen, leistungsbezogenen Tarifstruktur verschiebt sich das Bild teils weiter: Niederösterreich käme demnach auf ein Minus von rund 15,9 Prozent, während Graz um rund 5,7 Prozent teurer würde; auch Innsbruck, Linz, Kärnten und das Burgenland würden in diesem Modell teurer.

Modellrechnung: Was die geplante Senkung für einen Haushalt bedeutet

  • Haushalt mit 3.500 kWh/Jahr, bisherige Tarifstruktur: rund 3,6 Prozent bzw. rund 15 Euro weniger Netzkosten pro Jahr.
  • Derselbe Haushalt, neue leistungsbezogene Tarifstruktur: rund 5,7 Prozent bzw. rund 24 Euro weniger Netzkosten pro Jahr.

Rechenweg: Werte aus dem E-Control-Begutachtungsentwurf und der Wirtschaftsministeriums-Mitteilung vom 29. Oktober 2026, Österreich-Durchschnitt. Die tatsächliche Veränderung hängt stark vom Netzgebiet ab (siehe vorheriger Abschnitt) und ist erst nach Abschluss der Begutachtung endgültig.

Checkliste: Was Verbraucher in Österreich jetzt wissen sollten

  • Den eigenen Netzbetreiber kennen: Er ergibt sich aus dem Wohnort und ist nicht frei wählbar – anders als der Stromanbieter bzw. Vertriebstarif.
  • Die endgültigen Netzentgelte 2027 legt die E-Control erst nach Abschluss der laufenden Begutachtung fest, die aktuellen Prozentwerte sind noch vorläufig.
  • Wer auf den neuen, leistungsbezogenen Tarif umgestellt wird, zahlt mehr, wenn er mehrere leistungsstarke Geräte gleichzeitig betreibt oder ein E-Auto mit hoher Ladeleistung (z. B. 11 statt 4 kW) lädt – und weniger, wenn er Lastspitzen vermeidet.
  • Bei Gas ist 2027 österreichweit im Schnitt mit einem Anstieg der Netzentgelte um rund 7 Prozent zu rechnen, nicht mit einer Senkung wie bei Strom.
  • Wer selbst Strom erzeugt oder speichert, etwa über eine Photovoltaikanlage, sollte die Auswirkungen der neuen Tarifstruktur auf Bezugs- und Einspeisekosten im Blick behalten.

Halten Sie die geplante Senkung für ausreichend, oder sollte der Staat die Netzkosten in Österreich stärker abfedern? Schreiben Sie uns Ihre Meinung gerne in die Kommentare.

Häufige Fragen

Wer legt die Netzentgelte in Österreich fest?

Die E-Control, die gemeinsame Regulierungsbehörde von Bund und Ländern für Strom und Gas. Sie setzt jährlich per Systemnutzungsentgelte-Verordnung die Tarife jedes einzelnen Verteilnetzbetreibers fest – anders als in Deutschland gibt es keinen Bundeszuschuss, über den der Nationalrat entscheidet.

Sinken die Netzentgelte in Österreich 2027 wirklich für alle?

Nein. Laut dem E-Control-Entwurf vom 29. Oktober 2026 sinken sie im Österreich-Schnitt um 3,6 bis 5,7 Prozent, regional aber sehr unterschiedlich: In Niederösterreich und Wien sinken sie deutlich, in Kärnten, Tirol, Oberösterreich und Graz steigen sie.

Was hat die deutsche Bundestagsanhörung mit Österreich zu tun?

Rechtlich nichts: Das deutsche Gesetz betrifft nur die deutschen Übertragungsnetzkosten. Inhaltlich zeigt der Vergleich aber, dass beide Länder 2027 vor derselben Frage stehen – wer die steigenden Netzkosten trägt –, sie aber unterschiedlich lösen: Deutschland über einen sinkenden Bundeszuschuss, Österreich über eine gesetzlich verankerte Netzkostenbremse und die E-Control-Tarife.

Was passiert 2027 bei den Gas-Netzentgelten in Österreich?

Hier ist die Richtung umgekehrt: Die Netzentgelte für Gas sollen 2027 im Österreich-Schnitt um rund 7 Prozent steigen, weil ein sinkender Gasverbrauch und weniger Transit die Netzkosten auf eine kleinere Menge verteilen.

Quellen und Stand

Recherche- und Datenstand: 6. November 2026.

Transparenzhinweis: Bei der Recherche, Strukturierung und Erstellung dieses Artikels wurden KI-gestützte Werkzeuge eingesetzt. Die verwendeten Quellen sind im Artikel angegeben. Die Veröffentlichung erfolgt erst nach manueller redaktioneller Freigabe. Länderfassung auf Basis eines Artikels von NETZ-TRENDS.de, für Österreich recherchiert.

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