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E-Commerce 22.03.2017 wenig Gegenliebe bei Horizont. Zitat

"Unister" macht wieder Fernsehwerbung aber nicht mehr auf RTL

Der neue ab-in-den-urlaub.de-Werbespot. Youtube

Nach der dramatischen Insolvenz des Leipziger Internetkonzerns Unister Holding im Sommer 2016 macht die Reisesparte des Unternehmens, das mittlerweile größtenteils verkauft wurde, wieder Gewinn und nun auch wieder Fernsehwerbung. Aber derzeit wohl nicht mehr auf RTL.

Der Insolvenz der Unister Holding, beziehungsweise der Unister GmbH am 18. Juli 2016, war vier Tage zuvor der Tod von Unister-Geschäftsführer -und Gründer Thomas Wagner (38) sowie des Unister-Co-Gründers Oliver Schilling (39) vorausgegangen. Die beiden waren am Tag vor ihrem Tod Opfer eines Rip-Deals in Italien geworden. Tags darauf waren sie am 14. Juli 2016 morgens kurz vor 11 Uhr unter dubiosen Umständen in einem kleinen Privatflugzeug über Slowenien abgestürzt in einem Gebiet, das nur rund 1000 Meter über dem Meeresspiegel liegt.

Bei einem Rip-Deal müssen Kreditnehmer oder Verkäufer von Häusern, Firmen, Luxusautos, Schmuck oder Edelsteinen, meist in einem Hotel oder einer Einkaufspassage eine Baranzahlung an den angeblichen Käufer oder Kreditgeber leisten. Im Gegenzug erhalten die Kreditnehmer oder Verkäufer dann zu 99 Prozent Falschgeld, was aber meist erst zu spät auffällt. So auch im Falle der beiden Unister-Gründer, der für einen angeblichen 15 Millionen Euro Zwischenkredit 1,5 Millionen Euro in bar bezahlt hatte. Täter dieser Rip-Deal-Verbrechen sind oft Mitglieder der schweren Organisierten Kriminalität. Die Täter entstammen häufig Banden des Fahrenden Volks, im Volksmund auch als Zigeuner bezeichnet. Sie stammen häufig aus Jugoslawien, beziehungsweise Italien oder Österreich. Die Rip-Deal-Gangster sollen auch gut deutsch sprechen.

Unister war 2002 als studentisches Start-Up in Sachsens Metropole Leipzig gegründet worden. In den Hochzeiten im Jahr 2012, beziehungsweise 2013, arbeiteten bei Unister rund um das Barfußgässchen, sowie in den Außenbüros Dresden (rund 100 Mitarbeiter), Chemnitz, Hamburg, Berlin oder Jena, zwischen 1700 bis 2.100 Mitarbeiter. Damit gehörte Unister neben der Berliner Rocket Internet von den Samwer-Brüdern zu den erfolgreichsten Internetfirmen Deutschlands in den vergangenen 20 Jahren. Der vermittelte Reiseumsatz der Travel-Sparte von Unister wurde vom Fachmagazin FVW 2015 auf rund 2 Milliarden Euro im Jahr beziffert.

Der Nettoumsatz von Unister soll vor der Insolvenz bei rund 400 bis 500 Millionen Euro gelegen haben. Als Unister nach dem Tod von Thomas Wagner und Oliver Schilling aber Insolvenz anmeldete, dachten so einige in der Reisebranche, den lästigen aggressiven Marktführer im unabhängigen Onlineverkauf von Pauschalreisen und Flugtickets nun endlich los zu sein.

Während des Verkaufsprozesses nach der Insolvenz im Sommer 2016 hatten einige potentielle Investoren sogar gedacht, man könne durch Preisabsprache im Bieterprozess Unister ausbluten lassen und dann als Ramsch billig übernehmen. Doch weit gefehlt.

Paukenschlag: "Unister"-Reiseportale gehen zurück zur ProSiebenSat1 und verlassen RTL

Nach dem Bericht des Marketingfachportals Horizont.net sei ab-in-den-urlaub.de wieder mit Fernsehspots on air. Paukenschlag dabei ist:

Unister war zwar jahrelang für ab-in-den-urlaub.de (ehemaliges Testimonial: Fußballstar Michael Ballack) oder fluege.de (ehemaliges Testimonial: Fußball-Trainer Reiner Calmund) bei IP Deutschland für die Fernsehsender RTL oder VOX gelistet.

Doch nun kehrt Unister, beziehungsweise der neue Betreiber der meisten Unister-Reiseportal - die tschechisch-chinesische Investorengruppe Rockaway Capital - wieder zur ProSiebenSat.1 Media SE mit seinen Sendern Sat.1, Pro7 oder Kabel eins zurück.

Einer Sendergruppe, mit welcher Unister vor allem in den Jahren 2009 bis 2011 sehr gut zusammengearbeitet hatte. Bei Unister soll man, ist zu hören, zuletzt über die RTL-Gruppe sehr verschnupft gewesen sein.

Obwohl Unister dort jährlich bis zu über 50 Mio. Euro Brutto-Werbepakete gebucht hatte (netto soll Unister bis zu 20 Millionen Euro im Jahr an die RTL-Gruppe überwiesen haben, im Laufe der Jahre über 60 Millionen Euro netto), hatte RTL am Tag nach dem Tod von Thomas Wagner, am 15. Juli 2017, nichts anderes zu tun, als im besten Vorabendprogramm bei Frauke Ludowig (Sendung "RTL Exclusiv") über Unister-Gründer Thomas Wagner herzuziehen. O-Ton-Auszug aus dem RTL Exclusiv-Beitrag:

"Fest steht, der Leipziger hatte in der Branche keinen guten Ruf. Einen Großteil seiner Millionen soll er mit versteckten Zusatzkosten gemacht haben. In der Firma gab es mehrere Razzien und er saß schon wegen Steuervergehen im Gefängnis. Zu dieser Vergangenheit würde der angebliche Millionenkoffer passen…"

Dass Thomas Wagner überhaupt nicht wegen Steuervergehen dauerhaft im Gefängnis saß, sondern lediglich einige Tage wegen des Vorwurfs möglicher Steuerhinterziehung in U-Haft saß, scheint den Journalisten bei RTL in Köln, auch dem LSO - Landesstudio Ost GmbH in Leipzig, der Produktionsfirma der RTL-Gruppe in Sachsen, entgangen zu sein.

Zudem ist die RTL-Aussage bei Frauke Ludowig zu den angeblich "versteckten Kosten" diskussionswürdig. RTL scheint dabei auf Reiserücktrittsoptionen oder Reiseumbuchungsoptionen bei Unister anzuspielen, die früher für Ärger bei Verbraucherschützern gesorgt hatten.

Doch seit einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) im Sommer 2012 werden diese Reise-Zusatzangebote auch bei Unister nur noch im opt-in-Verfahren angeboten. Das bedeutet: Der Kunde muss aktiv zustimmen, was bedeutet: Der Buchungsprozess wurde mit dem Gerichtsentscheid des EuGH deutlich transparenter.

Laut Impressum wird ab-in-den-urlaub.de derzeit noch von der UNISTER TRAVEL Betriebsgesellschaft mbH getragen, beziehungsweise der ab-in-den-urlaub Betriebsgesellschaft mbH.

Der rechtliche Übergang zum neuen Inhaber Rockaway Partners scheint also nicht ganz abgeschlossen zu sein. Die neuen Werbespots von ab-in-den-urlaub.de stoßen allerdings auf wenig Gegenliebe bei Horizont. Zitat:

"… die sind leider einfach unterirdisch. Und das liegt überhaupt nicht daran, dass den Commercials mit dem früheren Dauer-Testimonial Michael Ballack der Promi-Faktor verloren gegangen ist. Sondern an der billigen Machart und den ohne Sinn und Verstand aneinandergereihten Bildern.

Warum zum Beispiel der junge Mann im ersten TV-Spot nach einem beherzten Kopfsprung in den Swimmingpool plötzlich an einem Südseestrand wieder auftaucht, dürfte sich den Zuschauern nicht wirklich erschließen. Zumal sich die Frage stellt, wieso er überhaupt das Angebot von Ab-in-den-Urlaub.de nutzen sollte. Denn wenn die Bilder zu Beginn des Spots keine Fata Morgana sind, dann befindet er sich ja schon im Urlaub und genießt diesen in vollen Zügen am Swimmingpool und an der Bar."

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