Polen Städtereise Warschau - Altstadt und Warschauer Ghetto besuchen

Die Wunden der deutschen nationalsozialistischen Besatzung im Zweiten Weltkrieg sieht man Warschau auch heute noch an (auch: Warsaw oder Warszawa). Egal ob man aus dem 20. Stock des Westin-Hotels - einem der besten in Warschau - schaut oder mit dem Auto durch die Stadt fährt: Es gibt so viele Bauschanden der Nachkriegszeit, des real existierenden Sozialismus, dass auch der weniger geschichtlich interessierte Reisende oder Tourist merkt: Diese Stadt ist nicht natürlich gewachsen, sondern in weiten Teilen am Reißbrett entstanden. Auch stechen an vielen Plätzen und Straßen Mahnmale oder Erinnerungstafeln ins Auge. Trotz der Wunden aus der Vergangenheit ist Warschau allemal eine Reise wert. Die Stadt verfügt über viele schöne Ecken und Parks und besticht durch eine pulsierende Kraft wie wenige Metropolen. Hinzu kommen die auffällig sympathischen Polen.

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Palast Krasinski in Warschau (auch: Warsaw oder Warszawa). Die Aufnahme stammt aus den Jahren 1910 bis 1915 und ist original Bestandteil der George Grantham Bain Collection (Library of Congress) in den USA.

Warschau zu bereisen ist von Deutschland aus gar nicht so einfach. Direktflüge gibt es fast nur von Frankfurt am Main oder von Berlin aus. Schwieriger wird die Anreise beispielsweise aus Leipzig. Hier muss man umständlich 90 Minuten von Leipzig nach Berlin fahren und von dort entweder den Zug oder das Flugzeug nehmen. Dafür ist das erheblich günstiger als die Flugreise. Die polnische Fluglinie Lot fliegt in circa 90 Minuten von Berlin nach Warschau. Wer erst einmal in Warschau landet, für stellt sich – wie auf allen Flughäfen der Welt – die Frage: In die Innenstadt mit dem Taxi oder den Öffentlichen Verkehrsmitteln?

Zwar gibt es die Möglichkeiten mit Bussen vom Flughafen Warschau in die Innenstadt von Warschau zu fahren, aber letztlich lohnt sich das nicht, da man gut und gerne zwischen 60 und 90 Minuten unterwegs wäre. Am besten man besteigt eines der offiziellen Taxis mit einem Taximeter (am Flughafen an der Information fragen). Für im Schnitt 35 Zloty oder 8,50 Euro kommt man in circa 20 bis 30 Minuten tagsüber sehr einfach vom Flughafen in die Innenstadt oder von der Innenstadt zum Flughafen. In der Rushhour sollte man beispielsweise vom Warschauer Westend Hotel 30 Minuten mit dem Taxi einplanen, um zum Flughafen zu gelangen. Würde also beispielsweise der Flug um 18.25 von Warschau nach Berlin zu erreichen sein, müsste der Reisende gegen 17 Uhr losfahren.

Die Öffentlichen Verkehrsmittel ("Verkehrsverbund der Hauptstadt Warschau" beziehungsweise auf polnisch: "Zarząd Transportu Miejskiego"; Homepage: http://wyszukiwarka.ztm.waw.pl) sind selbst in Warschau alles andere als zufriedenstellend - wenngleich die Homepage neben polnisch auch die Sprachen deutsch und englisch anbieten.

So gibt es in Warschau seit über 100 Jahren keine U-Bahn, dafür aber Straßenbahnen und Busse. Diese fahren jedoch vor allem an einigen Hauptdiagonalen. Deshalb sind viele Stadtteile, auch zentrale, sehr schlecht an den ÖPNV angeschlossen. Wer beispielsweise vom Warschauer Hauptbahnhof (PKP Halinów 01 (Hipolitów) zum circa drei Kilometer entfernten bekannten Straße Aleja Jana Pawla (Hotel Westin; Haltestelle: Domaniewska 03) fahren möchte, benötigt mit dem Taxi zehn Minuten mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln wird es hingegen eine Odyssee: Zunächst muss man circa 13 Minuten vom Hauptbahnhof laufen, um überhaupt einmal die Haltestelle der Tram (Nr. 17; Richtung: Postepu 17) zu finden. Ganze 45 Minuten muss man dann einplanen.

Warschau ist eine sichere Stadt, aber Nachts sollte man vorsichtig sein

Warschau gilt als sichere Stadt. Dennoch sollte man abends zumindest sich nicht unnötig in dunklen Ecken herumtreiben. Grundsätzlich empfiehlt es sich bei Auslandsreisen in seinem Smartphone das GPS zu aktivieren. Sollte einmal etwas passieren, ist es leichter den Ort nachträglich zu rekonstruieren. Das gilt auch für osteuropäische Städte wie Warschau.

Grundsätzlich genügen zwei Tage, um sich im Rahmen einer Städtereise einen guten Überblick über Warschau zu verschaffen. Klar, obligatorisch gehört der Besuch der Warschauer Altstadt zum Pflichtprogramm. Mit liebevollem Einsatz und Begeisterung für das Detail ist es den Warschauer Stadtplanern gelungen, die Altstadt in großen Teilen nach der fast kompletten Zerstörung durch die Deutschen im Zweiten Weltkrieg zu rekonstruieren. Die Nationalsozialisten hatten während der Besatzungsjahre fast kein Stein auf dem anderen gelassen. Besonders als sie vor den anrückenden Russen ab1944 flüchteten, verfolgten sie die für die Polen äußerst schmerzliche Politik der kompletten Zerstörung der Bausubstanz von Polens Hauptstadt.

Im Sommer säumen viele Cafés die Altstadt von Warschau, ab Ende November bietet es sich an auf dem Marktplatz (Rynek Starego Miasta) den Weihnachtsmarkt zu besuchen und dort einen Glühwein zu trinken oder polnische Spezialitäten (Wurst, Käse) zu kosten. Allerdings gelten überall in der Altstadt Preise, die sich vom sonstigen Warschau deutlich abheben. In der Regel wird ein Zuschlag von 100 Prozent den Touristen berechnet. Das heißt: Erhält man in sonstigen Warschauer Stadtteilen einen Cappuccino für 5 Zloty (1,20 Euro), so sind in der Warschauer Altstadt plötzlich 10 Zloty zu bezahlen (2,40 Euro). Auch das Essen ist entsprechend teurer - aber dennoch empfehlenswert.

Die Warschauer Altstadt umgibt auch eine Stadtmauer. Auch sie ist – deren Grundmauern auf das 14. Jahrhundert zurückreichen - in großen Teilen dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer gefallen, wurde aber vorbildlich in den 70er und 80er Jahren rekonstruiert. Das trifft auch auf das berühmte Warschauer Stadtschloss zu, das Königsschloss (Zamek Królewski). Das Schloss gilt heute als Symbol für Polens Unabhängigkeit. Seine Ursprünge reichen in die Jahre 1598 zurück. In 20 Jahren war es damals bis 1620 hochgezogen worden. 400 Jahre stand es dort - bis auch das berühmte Stadtschloss der polnischen Könige Opfer der nationalsozialistischen Aggression wurde.

In wenigen Monaten wird in der Nähe der Altstadt das neue Jüdische Museum eröffnet. Es ist direkt im Zentrum des Warschauer Ghettos angesiedelt gegenüber einem großen gusseisernen Mahnmal, welches an die grausame Vernichtung durch die Deutschen im Zweiten Weltkrieg erinnern soll. Die Nationalsozialisten hatten rund 360.000 Warschauer Juden auf Züge verfrachtet und in Auschwitz umgebracht. In dem berühmtesten KZ der Welt sollen die Deutschen weit über eine Millionen Menschen umgebracht haben – in Gaskammern beispielsweise. In den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts war rund 25 Prozent der Warschauer Bevölkerung jüdisch. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gab es kaum mehr Juden in Warschau. Immerhin hat die Synagoge überlebt. Sie diente den Nazis als Lagerstädte in den 40er Jahren und wurde deshalb verschont.