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Die Autoindustrie: Alles verschlingener Moloch oder digitaler Fortschritt? (Bild: pixabay.com / Creative Common)

Die anstehende Internationale Automobilausstellung (IAA) stehe ganz im Zeichen der neuen digitalen Technologien, teilte der Verband der Automobilindustrie e. V. (VDA) vollmundig mit.

Die vom 14. bis 24. September in Frankfurt präsentierte Autoshow ist die 67. in der IAA-Geschichte. Im Mittelpunkt stehe in diesem Jahr, wie schon in den Vorjahren, die so gut klingende angebliche "Vernetzung des Automobils". Daher laute das Motto der diesjährigen IAA "Zukunft erleben". Doch trotz des modern klingenden Mottos kann die IAA über eines nicht hinwegtäuschen:

Millionen Deutsche dürften angesichts des Dieselgates von VW und der Hinterherhinkerei der deutschen Automobilindustrie in der Elektromobilität (Tesla gilt hier als führend) eher das Gefühl haben, dass Deutschlands Automobilwirtschaft nicht die Zukunft bietet, sondern rückwärtsgewandt agiert. (1)

Dass die Autokonzerne also nicht weg vom irre lauten und die Umwelt belastenden Verbrennungsmotor gehen wollen, sondern weiterhin auf die stinkenden und krankmachenden Lärmmotoren von Diesel und Benzin setzen.

Erst kürzlich hatte eine Studie darauf hingewiesen, dass Autolärm, der von Jahr zu Jahr zunimmt, äußerst gesundheitsschädlich sei.

Doch Deutschlands Automobilindustrie schert sich im Großen und Ganzen immer noch einen Feuchten um Straßenlärm. Immer lauter ist das rücksichtslose Motto bei Autos, Mopeds, Motorrollern, Motorrädern oder Lastkraftwagen, wobei der Lärm mit der Anzahl zugelassener Fahrzeuge seit Jahren immer weiter anschwillt. (2)

Da kann die IAA auch nicht mit einer Facebook-Repräsentantin (CEO Sheryl Sandberg) darüber hinwegtäuschen, welche man gegenüber der Presse im Rahmen der Eröffnungsfeier für die New Mobility World angekündigt hat.

Das gilt auch für den amerikanischen Superkonzern Google, den man immerhin als Platinum-Partner der Media-Night gewinnen konnte.

So wird am 1. Pressetag Carlo D’Asaro Biondo, President of Southern & Eastern Europe, Middle East and Africa Operations, Google Inc., als Keynote-Speaker auf der Media-Night sprechen. Neben Google ist auch SAP als Sponsor dick auf der diesjährigen IAA in Frankfurt dabei.

Das gilt ebenso für den Chip-Giganten Qualcomm. Er zeigt nicht nur als Aussteller auf der IAA/New Mobility World Flagge, sondern zudem in Form einer weiteren Keynote. Sie hält Qualcomm-CEO Steve Mollenkopf.

Auf der IAA fehlen natürlich auch nicht so bekannte Mitfahranbieter wie BlaBlaCar oder Technologiekonzerne wie Harman International Industries, IBM, International Industries, Kaspersky, Merck, NXP, Siemens, Sony, TomTom, Telekom, Allianz oder Tausendsassa McKinsey. Mit dabei seien auch, verweist der Verband der Automobilindustrie stolz, natürlich die Daimler-Töchter Moovel, MyTaxi, Car2Go oder die VW-Tochter Moia.

Mit der Vielzahl unterschiedlichster Unternehmen zeige man, so der IAA-Veranstalter VDA, wie sich die Welt der Mobilität verändere. Auch deshalb würden nun erstmals Mercedes-Benz und die South by Southwest (SXSW, Austin/Texas) gemeinsam die "meConvention" organisieren.

BMW wiederum werde den Stab auf der Vordenker-Plattform TED halten und die Finalisten des Wettbewerbs "NextVisionaries" präsentieren.

Auf der New Mobility World in der Halle 3.1 sind in diesem Jahr, so der VDA, 250 Unternehmen und Organisationen vertreten. Diese würden vom Rahmen des Startup-Wettbewerb NMW Lab17 ergänzt.

Da Messen in Aussteller-Hallen für die Besucher in der Regel belastend sind (schlechte Luft, Tausende Leute), verweist die IAA darauf, dass man mit der "Agora" eine große Open-Air-Fläche für das "action program" bereitstelle. Hier zeigten Hersteller oder Autozulieferer ihre automatisierten und digitalisierten aktuellsten Fahrprogramme.

Zu sehen seien dort unter anderem Audi, Daimler, Volkswagen, oder die großen Zulieferer Bosch, Continental, sowie die ZF Friedrichshafen AG.

Der VDA vergisst nicht darauf hinzuweisen, dass sich der Automobilverband "seit Jahren" mit der IAA bemühe, die Digitalisierung und Internationalisierung der Branche weiter voranzutreiben. Man habe hier, so der VDA, "Pionierarbeit geleistet".

Immerhin würden zudem auf der Autoleistungsschau in diesem Jahr rund 1.000 Aussteller auf einem Gelände von fast 200.000 Quadratmetern präsent sein.

Besonders freut sich der Verband der Automobilindustrie darüber, dass man in diesem Jahr der Öffentlichkeit mehr als 300 Neuigkeiten im Automobilbau präsentieren könne.

VDA-Präsident Matthias Wissmann erklärte, er sei "davon überzeugt", dass "alle mobilitätsbegeisterten Besucher und Automobil-Enthusiasten, aber auch allgemein Mobilitätsinteressierte und bisher skeptisch Fragenden" sich "auf eine tolle und sehr spannende IAA" freuen könnten.

Zum Spannungsbogen beitragen dürften Player aus China, die auf der IAA ausstellen und um die Gunst von 50 Pkw-Marken buhlen.

Namentlich nennt der VDA "junge chinesische Hersteller" wie WEY oder Chery, die erstmals auf der IAA in Frankfurt seien. Neu seien zudem Aussteller aus Ägypten, Finnland oder Peru.

Nach Jahren der Abstinenz zeigen sich Altbekannte auf der IAA wieder: ThyssenKrupp-Konzern, (der zuletzt 2007 auf der IAA war), oder BorgWarner (dessen letzte IAA-Teilnahme sechs Jahre zurückliegt).

Trotz der unerträglichen Herumtrödelei beim Ausbau der Elektromobilität in Deutschland, wozu auch der unverschämt langsame Ausbau der Strom-Zapfsäulen, der Supercharger gehört, zeigt die Schiere Anzahl der akkreditierten Journalisten, wie wichtig die IAA in der Branche ist:

Über 10.000 Journalisten sind in diesem Jahr vor Ort, darunter netz-trends.de.

Doch nicht nur der VDA trommelt kräftig für die anstehende Internationale Automobilausstellung. Auch Deutschlands führender Autozulieferer Schaeffler schreibt, womit man sich unter anderem dort zeigen wolle:

"Energieeffiziente Antriebe: Ingenieure von Schaeffler arbeiten an einer Vielzahl von Produkten, mit denen Autos sauberer und sparsamer werden. Ob mit verbrennungsmotorischem, hybridem oder rein elektrischem Antriebsstrang: In der Mobilitätswelt von morgen werden alle Konzepte zusammen einen wichtigen Beitrag leisten."

Ob das so ist, wird sich zeigen: Die Grünen fordern für Deutschland bereits ein Aus für den Verbrennungsmotor und zwar bereits für 2030. Für China sagte die dortige Regierung, man wolle gänzlich auf den Verbrennungsmotor verzichten und wolle nur noch Elektromotoren. Damit sei man sicher, die Umwelt zu schonen und den wahnsinnigen Autolärm in den Städten deutlich zu reduzieren.

Einzelnachweise

(1) "Wissmann: IAA steht ganz im Zeichen der Digitalisierung", Pressemitteilung des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), anlässlich der Vor-IAA-Web-Pressekonferenz am Donnerstag, 31.08.2017.

(2) "Autolärm macht krank – Bundesregierung bleibt untätig" von kai, auf testsieger-reifen.de vom 06.05.2017. Abgerufen am 31.08.2017.

(3) "Gesundheitspsychologin im Interview: Lärm macht krank" von Kristin Hermann auf: weser-kurier.de vom 21.08.2017.

(4) "Schaeffler at IAA 2017", auf: schaeffler.de.

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