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Kirche und Staat Grüß Gott - Deutsche Bahn, muss das sein

Das sitze ich im ICE von München nach Leipzig und die Schaffnerin, sie scheint so um die 20 Jahre alt zu sein, begrüßt mich „Grüß Gott“. Ja klar, ich weiss ich bin in Bayern, hier muss man damit rechnen, aber ich sehe in den Gesichtern der anderen Fahrgäste auch, dass ich nicht der einzige bin, den das stört.

„Grüß Gott“, das ist nicht nur einfach eine Begrüßung, so wie „Guten Tag“ oder „Hallo“, „Grüß Gott“ das ist ein Glaubensbekenntnis. Jetzt stelle ich mir mal vor, ich glaube an den Islam. Soll ich dann antworten „Grüß Allah“? Was erwartet man denn bitte schön auf den Gruß „Grüß Gott“?

Ich bin hier nicht der erste im Abteil, der so begrüßt wird, so kann ich beobachten, wie die anderen reagieren und mich auf meine persönliche Begrüßung vorbereiten. Die meisten grüßen mit einem einfachen „Hallo“, scheinbar keine Bayern, außer mein gegenüber, der murmelt ein „Grüß Gott“. Zum Schluss werde ich mit „Hallo“ darauf antworten.

Ich gebe zu, ein gepflegtes „Guten Tag“ hat deutlich mehr Niveau, noch mehr hätte ein „Guten Tag, liebes Fräulein“, aber das ist ja auch nicht mehr korrekt. Aber was mich wirklich stört, ist die Aufforderung zu einem Glaubensbekenntnis. Da könnte ich ja auch gleich fragen „Bist du rechts ?“ oder “Wählst du AFD ?“ oder „Glaubst du an die fünfte Kolonne ?“.

Ich will keineswegs den Bayern ihren eigenartigen Gruß verbieten, aber ich sitze hier in einem Zug der Deutschen Bahn und da sollte man sich über die Begrüßung der Fahrgäste schon ein paar Gedanken machen. Viele Worte verschwenden die meisten Schaffner ja nicht, außer "Die Fahrscheine bitte" oder "Etwas aus dem Bordrestaurant", misst erwischt, ja ich sitze in der Ersten Klasse. Aber da sollte es doch auch eine klare Regelung geben, wie die Gäste zu begrüßen sind. Ich wette, wenn hier wirklich ein Schaffner mit „Grüß Allah“ ins Abteil platzen würde, dann hätten wir morgen einen handfesten Skandal und mindstens mehrere Hetzartikel in den rechtsfreundlichen Zeitung unserer Republik.

Während ich das hier schreibe sitze ich immer noch im Zug. Ich lerne noch einen Satz „Personalwechsel, die Fahrkarten bitte“. Der Schaffner, ein junger Mann um die dreizig, begrüßt mich mit „Grüß Gott“.


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