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Sorgte immer für reichlich Diskussion bei Unister: Der Geldscheißende Esel von preisvergleich.de. Doch er soll ein Lieblings-Maskottchen von Thomas Wagner für preisvergleich.de gewesen sein.

Der Insolvenzverwalter der Unister-Gruppe, Lucas F. Flöther, hat nach dem tragischen Tod des Unister-Gründers Thomas Wagner, 38, mit preisvergleich.de ein weiteres Non-Travel-Portal des Unister-Konzerns an einen Investor verkauft.

Dies teilte das Unternehmen am Montag mit. Den Zuschlag für den Asset Deal erhielt das Energie-Informationsunternehmen GET AG, welches wie Unister in Leipzig angesiedelt ist. Die Get AG arbeitet bereits seit mehreren Jahren erfolgreich und eng mit Unister zusammen. Insgesamt 13 Mitarbeiter von preisvergleich.de werden von der GET AG übernommen. Der Standort Leipzig bleibe erhalten.

Die Abwicklung über einen Asset Deal bedeutet, dass bestehenden B-to-B-Verträge von preisvergleich.de gekündigt werden und auch Verbindlichkeiten oder Rechtsstreitigkeit zurück bei Unister bleiben. Dies bedeutet: Die Risiken verbleiben also in einer Art Bad Bank bei Unister, preisvergleich.de erhält aber gleichzeitig mit der GET AG neue unbelastete Perspektiven.

Die bestehenden preisvergleich.de-Verträge mit Geschäftspartnern müssen entweder neu verhandelt werden oder können, sofern die Geschäftspartner keine Einwände haben, schlicht nahtlos weitergeführt werden. Die GET AG übernimmt mit den Mitarbeitern die wesentlichen Teile des Geschäftsbetriebs von preisvergleich.de, inklusive der Markenrechte und IT-Infrastruktur.

Die Gläubiger des im Juli 2016 in die Insolvenz angemeldeten Unister-Konzerns haben der Veräußerung von preisvergleich.de bereits zugestimmt, teilt Unister weiter mit. Im Gläubigerausschuss sitzen unter anderem Vertreter der Hanse Merkur Versicherung aus Hamburg, sowie der Arbeitsagentur Leipzig. Über den Kaufpreis für preisvergleich.de wurde Stillschweigen vereinbart.

Der Investor plane jedoch, sagt eine Pressemitteilung von Unister, das Portal preisvergleich.de nachhaltig fortzuentwickeln. Im Rahmen dessen sollten auch neue Mitarbeiter am Standort Leipzig eingestellt werden. So sei unter anderem der Relaunch der preisvergleich.de-Website geplant.

"Der Verkauf von preisvergleich.de ist eine gute Nachricht für die Gläubiger von Unister", sagte Flöther in Leipzig. "Eine gute Nachricht ist es aber auch, dass der Investor 13 Mitarbeiter am Standort übernimmt und sogar Neueinstellungen plant."

Flöther hatte vor Weihnachten bereits das Unister Travel-Geschäft an die tschechische Beteiligungsgesellschaft Rockaway verkauft. Hinter Rockaway steht wiederum unter anderem der Finanzinvestor CEFC China Energy Company Limited. Für enge Freunde von Thomas Wagner eine Wunsch-Konstellation, die weiteres unabhängiges Wachstum ermögliche.

Die CEFC ist in Shanghai angesiedelt und wurde 2002 von Ye Jianming gegründet. Sie ist mit einem Umsatz von 39,15 Milliarden Euro (2015) das siebtgrößte Privatunternehmen Chinas und beschäftigt 23.055 Mitarbeiter. Damit gehört der Konzern nach Angaben von Fortune auf Platz 292 der 500 größten Unternehmen der Welt.

Der Profit von CEFC China Energy Company Limited habe 2015 bei 603 Millionen US-Dollar gelegen, umgerechnet bei 564 Millionen Euro. Bloomberg schreibt dazu:

"CEFC China Energy Company Limited engagiert sich vor allem in Energie-und Finanzdienstleistungs-Unternehmen. Es investiert und entwickelt in Öl- und Gasfelder sowie Petrochemikalien im Mittleren Osten, Zentralasien und Afrika. Das Unternehmen gründete Logistikketten, unterhält Überseelager und Umschlagsterminals. Es investiert auch in Wertpapiere, Trusts, Futures, Banken, Finanzanlagen-Transaktionen, Leasing, Factoring, direktes Risikomanagement und Online-Versicherungen."

Der kolportierte Kaufpreis für den Travel-Bereich von Unister (u.a. ab-in-den-urlaub.de, fluege.de, reisen.de oder der Reiseveranstalter Urlaubstours) liege bei 75 bis 80 Millionen Euro, schreibt die im Travel-Business in der Regel gut informierte Reise-Fachzeitschrift FVW. Auch andere Quellen bestätigen diese Nennung.

Der Kaufpreis sei zwar, gemessen an einer einstmaligen Unister-Bewertung von bis zu zwei Milliarden Euro (Quelle: Bloomberg), recht niedrig, aber in der jetzigen Unister-Krise immer noch gut, sagen Insider. Und ergänzen: Deutschlands Reisekonzerne und sonstige mit Unister konkurrierende aber am Reisegeschäft interessierte Unternehmen hätten sowieso versucht, den Reisebereich von Unister auf Ramschniveau zu drücken durch Preisabsprachen. Auch deshalb sei die jetzige Lösung mit den Tschechen und Chinesen sehr gut.

Parallel verkaufte Unister kurz vor Weihnachten das Schnäppchen-Portal Shopping.de als ein erstes Non-Travel-Portal der Unister-Gruppe an einen weiteren Investor, der unter anderem das Portal billiger.de betreibt, ein deutsches Preis- und Produktvergleichsportal.

Preisvergleich.de wurde technisch bislang über ein Unister-Office in Dresden betreut. Allerdings hätte dort, heißt es, der Wettbewerber Check24 zahlreiche wichtige Entwickler - angeblich um die 10 - von preisvergleich.de abgeworben. Diese seien strukturell in das Leipziger Office von Check24 integriert worden.

Check24 versucht seit gut drei Jahren recht aggressiv Unister-Mitarbeiter abzuwerben und soll dafür ebenso Kopf-Prämien bezahlt haben. Auch Trivago oder Verivox sollen in der Vergangenheit massiv Entwickler und sonstige Mitarbeiter von Unister angeworben haben.

Ob mit preisvergleich.de die Unister-Schwesterportale dsl.de oder best-price.com an die GET AG gehen, ist nicht bekannt.

Erst Mitte Januar Veränderungen im Aufsichtsrat bei der Preisvergleich.de AG / Callenberg ist ausgeschieden

Erst für den 12. Januar 2017 hatte die Preisvergleich.de AG (Amtsgericht Leipzig, HRB 28723) eine Einladung zu einer außerordentlichen Hauptversammlung versendet und am 28. November 2016 angekündigt, den Aufsichtsrat neu wählen zu wollen. Unter "TOP 1" hieß es darin: "Beschlussfassung über die Wahl neuer Aufsichtsratsmitglieder".

Demnach hätten die beiden Aufsichtsratsmitglieder Robert Käß und Matthias Callenberg (Matthias Alexander Callenberg) ihr Mandat als Aufsichtsräte der Gesellschaft niedergelegt.

Dass Callenberg überhaupt noch im Aufsichtsrat der Preisvergleich.de war, wunderte zahlreiche Beobachter. Grund: Callenberg war bei Unister zum Zeitpunkt einer dortigen Steuer-Razzia Ende 2012 für die Bankkontakte des Internet-Konzerns zuständig. Er hatte sein Büro direkt neben dem von Unister-Gründer Thomas Wagner, also im dritten Stock des Barfußgässchens 11 in Leipzig. Das bedeutet:

Während Thomas Wagner 2012 wegen Steuervorwürfen rund eine Woche in U-Haft in Dresden gehalten wurde, soll Callenberg rege mit den damaligen Unister-Banken Berliner Bank, Hypovereinsbank, Commerzbank und Leipziger Sparkasse telefoniert haben. Als Thomas Wagner aus der U-Haft entlassen wurde, warf Wagner damals Callenberg dubiose Vorgänge vor. Ein Insider sagte zu netz-trends.de:

"Thomas sagte, Callenberg habe in einem Alleingang versucht die Unister-Banken zur Kreditkündigung zu drängen, was Unister in eine Existenzkrise getrieben hätte." Diese Version bestätigen mehrere führende Unister-Mitarbeiter von damals. Bis heute nicht geklärt ist die Frage nach dem warum?

Nach einem im Unister-Umfeld noch heute als legendär erzähltem Verhör soll Matthias Callenberg dann in einer Nacht- und Nebelaktion auf Nimmerwiedersehen verschwunden sein. Zuvor soll er die Vorwürfe abgestritten haben. Einige sagen er sei in die Schweiz verschwunden. Andere sprechen von Spanien.

Heute fragen sich viele: Warum war ein kaum greifbarer Mann wie Callenberg immer noch Aufsichtsrat in der Preisvergleich.de AG?

Einige sagen, diese AG sei mehr ein Papierunternehmen gewesen und habe im operativen Alltagsgeschäft so oder so keine große Rolle gespielt. Gut möglich sei es also, dass man schlicht vergessen habe, Callenberg als Aufsichtsrat abzuberufen. Oder man habe es letztlich als egal empfunden, ob er da nun sitze oder nicht.

Für Unister waren die Vorgänge damals immerhin so erheblich, dass es eine Task-Force Callenberg gab, so ein ehemaliger führender Unister-Mitarbeiter. Journalisten, die in den vergangenen Jahren auf Grund der Vorgänge bei Unister versucht hatten mit Callenberg Kontakt aufzunehmen, seien bislang angeblich ins Leere gelaufen, sagen mehrere Betroffene.

Auf eine Anfrage für netz-trends.de ließ Callenberg lediglich mitteilen: "Wir haben Ihre Anfrage erhalten. Herr Callenberg steht allerdings für Auskünfte oder Kommentare in dieser Angelegenheit nicht zur Verfügung." Callenberg soll derzeit in Zug in der Schweiz für die Firma "Jucho & Coll. Deutsche Industrieanleihen" arbeiten, teilte das Unternehmen telefonisch mit. Auf der Webseite ist die Rede davon, wonach "Ass. Jur. Matthias Callenberg" für "die erfolgreiche Planung, Koordination und Durchführung von kreativen Finanzierungsprojekten" zuständig sei.

Die Preisvergleich.de AG verkündete jedenfalls in dem Schreiben für den 17. Januar 2017 mit, wonach "das Aufsichtsratsmandat des Herrn Alexander Sieland Geisler durch Zeitablauf" ebenfalls geendet sei.

Auf Verlangen und Vorschlag der Aktionärin Unister Holding GmbH sollten noch vor zwei Wochen, heißt es zudem in der Mitteilung für den 17. Januar 2017 weiter, "daher drei neue Aufsichtsratsmitglieder gewählt werden".

Zu Aufsichtsratsmitgliedern der Gesellschaft sollten demnach gewählt werden Herr Thomas Nicklisch, Rechtsanwalt, wohnhaft in Leipzig. Zudem Frau Melanie Petersen, Bereichsleiterin Personal bei Unister Travel, ebenfalls wohnhaft in Leipzig, sowie Frau Irene Castellon Rodriguez, Dipl. Tourismus, Jurist, ebenso wohnhaft in Leipzig. Ob es zu der Wahl wirklich kam, ist nicht bekannt.

Welche Rolle die Preisvergleich.de AG nun nach dem Kauf von preisvergleich.de durch die GET AG künftig spielt und ob überhaupt noch, lässt sich der Unister-Presseerklärung nicht entnehmen.

Fakt ist aber, dass weitere Portale aus dem Non-Travel-Bereich von Unister noch zum Verkauf stehen. Es sind dies u.a. auto.de, börsennews.de, myimmo.de oder patnersuche.de. Ebenfalls zum Verkauf stehen soll der Unister-Marktforscher keyfacts Onlineforschung GmbH.

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