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Lifestyle 07.12.2016 wissenschaftskommunikation.de Quelle Quelle Quelle

Flop oder Top? wissenschaftskommunikation.de bietet bislang viel heiße Luft

Bislang kein großer Nutzen: wissenschaftskommunikation.de.

Zwar gibt es bereits zahlreiche Portale für die Kommunikation zwischen Wissenschaftlern, doch das ist einigen nicht genug.

Deshalb wurde nun ein Portal mit dem viel versprechenden Namen "wissenschaftskommunikation.de" aus der Taufe gehoben. Doch Nomen ist hier nicht Omen. Aus dem lateinischen übersetzt heißt dies, dass der Name also kein Zeichen ist. Dabei gibt es durchaus eine Handvoll namhafter Träger für das neue Portal. Genannt werden das Karlsruher "Nationale Institut für Wissenschaftskommunikation" (NaWik; wie "national" es ist, vermögen wir nicht zu beurteilen), an welchem sich die "Klaus Tschira Stiftung gemeinnützige GmbH" engagiert. Genannt wird ebenso eine Fakultät des Karlsruher KIT, also des Karlsruher Institut für Technologie.

Das NaWik-Institut umschreibt sein Tätigkeitsfeld unter anderem damit, wonach man, "Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler" dazu befähigen wolle, "ihre Forschung besser zu kommunizieren". Hierfür biete man Präsenzseminare, aber auch ausgewählten E-Learning Kurse wie "Wissenschaft. Verständlich. Schreiben".

Diese nicht sehr bunte Mischung aus der Wissenschaftswelt brachte also nun wissenschaftskommunikation.de an den Start.

Das Portal möchte ein Forum bieten – vor allem als Informations- und Diskussionsplattform. Als Zielgruppe werden genannt: Wissenschaftler, Wissenschaftsjournalisten, oder Öffentlichkeitsarbeiter.

Im Fokus stehen sollen Trends und Themen, welche für die Wissenschaft relevant sind. Nachwuchskräfte könnten dort aber auch "Informationen über Wege in die Wissenschaftskommunikation" finden. Für Profis stünden Weiterbildungsangebote bereit.

Auf wissenschaftskommunikation.de werden die Inhalte durch Mitarbeiter der Träger zusammengestellt. Sie würden, heißt es in einer Pressemeldung, "die Inhalte, gewichten" und sie "für die Nutzerinnen und Nutzer" aufbereiten.

Gefördert werde das Portal auch vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

In der Pressemeldung des neuen Portals wird Markus Weißkopf, Geschäftsführer der "Wissenschaft im Dialog gGmbH" mit den Worten zitiert:

"Die Wissenschaftskommunikation hat sich in den vergangenen Jahren enorm entwickelt und professionalisiert… Mit dem Portal haben wir nun neben dem jährlichen Branchentreff Forum Wissenschaftskommunikation einen virtuellen Ort geschaffen, an dem Interessierte sich jederzeit informieren, austauschen und selbst einbringen können."

Zudem, heißt es in der Pressemeldung weiter, habe es "noch nie… so viele unterschiedliche Kommunikationsformen und -strategien" für die Wissenschaft gegeben. Dabei würden "insbesondere Dialogformate Kommunikatoren und Wissenschaftler vor neue Herausforderungen" stellen.

Auf der Webseite wissenschaftskommunikation.de finden wir zudem folgende Antworten auf die zwei zentralen Fragen.

Zum einen zur Frage, wohin das Portal hinwolle. Die Antwort:

"Wir sammeln bewährte wie neue Formate der Wissenschaftskommunikation. Wir diskutieren Trends der Wissenschaftskommunikation und neue Erkenntnisse aus der Forschung. Wir wollen außerdem kritisch hinterfragen und laden Sie ein mit zu diskutieren. Wir verweisen auf Stellen und Fortbildungsmöglichkeiten in diesem Bereich."

Die zweite Frage, welche auf der neuen Wissenschaftskommunikations-Webseite aufgerufen wird, lautet: "Wer kann mitmachen?". Die Antwort:

"Neben unseren redaktionellen Beiträgen sollen diejenigen, die Wissenschaftskommunikation aktiv betreiben, gestalten und erforschen hier durch Interviews und Gastbeiträge zu Wort kommen. Wir laden Sie ein zu kommentieren, sich auszutauschen, zu diskutieren und aktiv mitzuwirken."

Klar, dass wir uns bei so viel Versprechen, wissenschaftskommunikation.de etwas näher angeschaut haben.

Ernüchternd dünnbrettborerisch

Doch unser Fazit ist ernüchternd: Das neue Portal wissenschaftskommunikation.de ist bislang dünnbrettborerisch unterwegs.

Dabei ist das Portal sicherlich gut gemeint. Hält aber derzeit bei weitem nicht, was es verspricht. Weder lässt das Portal zum derzeitigen Zeitpunkt erkennen, dass ein wirklich breites Spektrum an Wissenschaftlern oder sonstigen Fachleuten mit nutzwertbringenden fundierten Tipps zu Publikationsformen zu Wort kommen. Noch erkennt man überhaupt den Mehrwert.

Stattdessen lesen wir relativ flache Analysen, die populistisch sich beispielsweise an Donald Trump abarbeiten – und das obendrein recht unwissenschaftlich. Denn eine glaubhafte Quelle für den folgenden Satz konnten wir nicht so recht auf dem neuen Portal finden. So schreibt ein Gastautor - Hannes Schlender, von Beruf Biologe und Journalist - unter der Überschrift "Wissenschaftskommunikation und Populismus. Wir müssen durch die gläserne Wand!" unter anderem folgende Phrase:

"Mit Donald Trump wird nun ein Mann amerikanischer Präsident, der Wissenschaft, Wissen und Bildung als elitär und korrupt verachtet. Als den ‚ersten Anti-Wissenschaftspräsidenten, den wir jemals hatten‘, hat ihn Michael Lubell, Direktor für Public Affairs der American Physical Society gegenüber dem Magazin ‚Nature‘ bezeichnet. Den Klimawandel hielt Trump zumindest im Wahlkampf für eine chinesische Erfindung, einen Hoax, um der amerikanischen Wirtschaft zu schaden. Sein zukünftiger Vize Mike Pence streitet die Evolution ab. Für Trump und seine Mitstreiter sind Gefühle und der "gesunde Menschenverstand" wichtiger als die Ergebnisse seriöser Forschung." (Quelle)

In dem seitenweisen Artikel können wir immerhin 3 Fußnoten finden. Außerdem lesen wir weitere Behauptungen, zum Beispiel, warum Frauen, die Karriere machen wollten, angeblich an eine gläserne Wand stoßen würden, durch welche sie halt – siehe Hillary Clinton – angeblich nicht durchkämen. Immerhin bietet der Text dann einige kritische Auslassungen, wie Wissenschaft besser kommunizieren könnte. Aber warum man nun Trump unterstellt, er sei ein Mann, der Wissenschaft, Wissen und Bildung als elitär und korrupt verachte (zumal Trump selbst einmal eine private Universität aufbauen wollte), erschließt sich uns nicht.

Dann lesen wir noch einen launigen Text von Gastautor Josef Zens, dem Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit am Deutschen GeoForschungsZentrum GFZ, Helmholtz-Zentrum Potsdam. Darin geht es um das folgende Thema. Wir zitieren:

"Reflexe können schädlich sein. In einer Krise schalten wir unwillkürlich um auf ein Notprogramm. Doch wer über das reflexartige Handeln oder Nichthandeln die Krisenkommunikation vergisst, der gerät schnell in noch größere Probleme." (Quelle)

Hinsichtlich der Hilfe beim Publizieren von Wissenschaftstexten wurden wir in dem Beitrag, der durchaus lesenswert war, nicht wirklich fündig.

Bliebe noch als weiteres Beispiel der Text auf wissenschaftskommunikation.de "Exit UK, enter Trump: news on the stage for science and scientists" von einem weiteren Gastautor, Dr. Ulrich Marsch, der seit 2007 Pressesprecher der Technischen Universität München ist und Leiter des Corporate Communications Center. Seit 2014 ist er zudem im Vorstand des "Bundesverbandes Hochschulkommunikation".

Unser Urteil zu seinem Text hier: Oberflächlich, dünn, letztlich für einen Wissenschaftler unnütz. Es geht irgendwie in schnell dahingeschriebenen Worten um alles und nichts, irgendwie um Trump, Brexit & Co. (Quelle)

Man hat bei dem Text den Eindruck, als ginge es primär darum, mit Marsch als Vertreter der TUM irgendjemanden aus einer Eliteuni auch mit Signatur abbilden zu können. Die großspurig dahingehauene Überschrift ("Exit UK, enter Trump: news on the stage for science and scientists"), das kann man sagen, hält aber bei weitem und nicht einmal ansatzweise, was sie verspricht.

Auch die weiteren Texte sind nicht gerade berauschend, für jemanden, der verzweifelt versucht beispielsweise für seine Doktorarbeit Werbung zu machen oder für seine Masterarbeit herauszufinden, wie man diese am besten nutzt, um damit in die Medien zu kommen oder einen Job zu bekommen oder auch nur aus seiner Professur mehr zu machen.

So könne man seine wissenschaftlichen Erkenntnisse publik machen

Ausbaufähig könnten die Rubriken sein, in welchen bislang nicht sonderlich umfangreich dargestellt wird, wo man beispielsweise seine wissenschaftliche Arbeit veröffentlichen könne. Wissenschaftskommunikation.de schlägt jedenfalls vor:

In Ausstellung (6 Beispiele), im Dialog (11 Beispiele), interaktiv (11 Beispiele), über Medien (8 Beispiele), in Veranstaltungen (11 Beispiele), virtuell (9 Beispiele) oder über Wettbewerbe/Spiele (1 Beispiel).

Doch schaut man sich die Beispiele etwas genauer an, kommt ebenfalls schnell die Ernüchterung. Im Bereich "Ausstellung" werden zum Standpunkt unserer Stichprobe (7. Dezember 2016) folgende Beispiele genannt: So könne man im "Bundesverband Deutscher Kinder- und Jugendmuseen" seine wissenschaftliche Arbeit veröffentlichen. Warum?

Da, das Kindermuseum "eine optimale Möglichkeit" biete, "Kinder und Jugendliche für Kultur und Wissenschaft zu begeistern". Durch "die kindgerechte Vermittlung von Inhalten" blieben "Erfahrungen und Erkenntnisse gut im Gedächtnis". Zudem werde auf diese Weise "der Grundstein gelegt, um die jungen Generation auch in Zukunft für kulturelle und wissenschaftliche Themen empfänglich zu machen".

Als weitere Option wird die "Lange Nacht der Museen" empfohlen, um dort seine wissenschaftlichen Erkenntnisse publik zu machen. Warum? Da "an keinem anderen Tag… in den Berliner Museen so viele Gäste zu erwarten" seien, "wie zur Langen Nacht der Museen". In einigen Städten gebe es "hunderttausende Besucher in einer Nacht". Mit einem erweiterten Programm könne "das Publikum für die Thematik begeistert werden".

Natürlich müsse man mit Kosten rechnen: Für eine Agentur (welches das Programm umsetze), den Druck des Programms, das Honorar für Mitarbeiter, für die Koordinierungsstellen in den teilnehmenden Einrichtungen, für die Logistik (Shuttlebusse, Kuriere), für Material, Raummiete, Ticketing, sowie Werbung/Marketing.

Aha. Einen Kommentar zu dieser lustigen Idee ersparen wir uns. Nur so viel: Für einen einzelnen Wissenschaftler (der nicht gerade Kultur studiert und einen dicken Sponsor im Rücken) ist ein solches Programm wohl a) weder bezahlbar, b) auch nicht sinnvoll.

Von "Science Show" bis zu Facebook oder Flyer

Zudem wir als Ausstellungs-Vorschlag "Science Show" genannt. Was das nun wieder ist? Wissenschaftskommunikation.de gibt eine Antwort:

"Eine Science Show ist eine Mischung aus Comedy, Zauberei und vor allem ganz viel Wissenschaft. Die vorgeführten Versuche sollen die Zuschauer begeistern und ihr Interesse für die Wissenschaft wecken. Oft haben Science Shows auch einen interaktiven Charakter und binden Freiwillige aus dem Publikum zur Unterstützung bei der Durchführung von verblüffenden Bühnenexperimenten mit ein. Die Erklärung für die erlebten Phänomene wird natürlich gleich mitgeliefert."

Ähnlich muss man sich das von wissenschaftskommunikation.de vorgeschlagene "Science Festival" vorstellen. Das Portal schreibt denn auch, was es damit auf sich habe:

"Wissenschaftler einer Forschungseinrichtung, Stadt oder eines bestimmten Themengebietes präsentieren sich und ihre Arbeit an Informationsständen, bei Mitmachaktionen, Vorträgen und großen Bühnenshows. Der Wahl der Formate und Kreativität der Akteure sind hierbei keine Grenzen gesetzt; die Hauptsache ist, es macht Spaß und unterhält. In der Regel ist das Science Festival ein großes mehrtägiges Event, aber auch kleinere Varianten sind möglich."

Ebenfalls noch nicht preisverdächtig ist die Rubrik "Interaktiv". Hier wird nun vorgeschlagen, seine wissenschaftlichen Arbeiten wie folgt unters Volk zu bringen:

Webvideo, Fishbowl-Diskussion, Lange Nacht der Wissenschaft, Bürgerkonferenz, Junior Science Café, Science Café oder wiederum einem Science Festival.

Wenn Sie glauben, den einen oder anderen Punkt schon in einer anderen Rubrik gelesen zu haben, so stimmt das beispielsweise im Bereich "Science Festival". Wenn Sie nicht wissen, wie Sie ihre wissenschaftliche Arbeit in einer Fishbowl-Diskussion kundtun können, klärt wissenschaftskommunikation.de auf:

"Die Diskussionsgruppe wird in einen Innen- und einen Außenkreis aufgeteilt. Dabei wird festgelegt, wer zu Beginn aktiv mitdiskutiert und wer erst einmal zuhört. Im Innenkreis diskutiert eine kleine Gruppe von Teilnehmenden (ca. 4-5), während die Mehrheit im Außenkreis (bzw. den Außenkreisen) die Diskussion beobachtet. Möchte sich jemand aus dem Außenkreis an der Diskussion beteiligen, so kann ein freier Stuhl in der Mitte eingenommen oder der Platz mit einem Teilnehmer aus dem Innenkreis getauscht werden. Einziges festes Mitglied des Innenkreises ist der Moderator."

Auch hier ersparen wir uns einen Kommentar. Nur so viel ebenfalls: So richtig können wir uns nicht vorstellen, dass eine solche Diskussionsrunde unsere wissenschaftliche Karriere befördern könnte.

Häufige Wiederholungen der vorgestellten Szenarien, um seine wissenschaftlichen Kenntnisse öffentlich zu machen, begegnen uns in zahlreichen Vorschlägen. Man könnte auch von Dubletten-Vorschlägen sprechen, die wissenschaftskommunikation.de so dick wie möglich erscheinen lassen möchten.

Klar, es fehlen natürlich auch nicht die Vorschläge, man solle mittels Facebook oder Instagram, über Flyer oder Bürgerkonferenzen über seine wissenschaftliche Arbeit kommunizieren. Auch wird das gute alte Internet-Crowdfunding gepriesen, um Geld für wissenschaftliche Forschung einzusammeln.

Fazit zu wissenschaftskommunikation.de

Unser Fazit deshalb: Bislang erscheint uns wissenschaftskommunikation.de vor allem viel heiße Luft zu sein. Bleibt zu offen, dass dem erst vor kurzem gestarteten Projekt nicht die Luft ausgeht und dass man mehr zu bieten hat, außer prominente Sponsoren und Förderer.

Ob dafür wirklich Steuergelder aufgewendet werden sollten, wagen wir in Zeiten, wo kaum wissenschaftliche Mitarbeiter, die nicht gerade Professoren sind, mit ordentlichen unbefristeten Beschäftigungen rechnen können, zu bezweifeln.

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