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Europol mit Großrazzia gegen 4500 Webseiten wegen Markenbetrug wie in China oder Thailand

Großrazzia gegen Markenbetrüger in Europa. (Bild: pixabay.com / CC0 Public Domain)

12 Personen verhaftet

Nicht nur Amazon kämpft massiv mit Betrügern, welche über den weltgrößten Online-Marketplace Millionen Euro ergaunern und geschätzt Tausende Betrugs-Shops online stellen. Auch ohne Amazon gibt es weltweit Hunderttausende Webseiten, welche Kunden in Fallen locken. Jetzt hat Europol erstmals in einer umfangreichen Aktion gemeinsam mit den USA und Kanada 4.500 Webseiten komplett offline genommen. Die meisten der Betrugs-Webseiten verarschten Kunden in Europa mit gefälschten angeblichen Markenprodukten, die man bei ihnen angeblich deutlich billiger kaufen könne, als auf anderen Webseiten.

Dabei gilt gerade für Markenprodukte: Preisunterschiede für ein- und dasselbe Produkt von über 100 oder 200 Euro sind auch im Internet eher die Ausnahme. Das gilt für Bosch ebenso, wie für Prada, Siemens oder Samsung und Apple-Produkte.

Selbst im Schwellenland Kambodscha kostet das neues iPhone von Apple faktisch so viel wie in Deutschland oder den USA, weshalb es ein weit verbreiteter Irrglaube ist, im Ausland Markenprodukte deutlich billiger kaufen zu können.

Betrüger rund um Markenprodukte waren allerdings bislang vor allem in China, Thailand oder Kambodscha aktiv und verkauften falsche Rolex-Uhren, falsche Edelsteine oder falsche Marken-Sportkleidung Millionenfach vor allem an Touristen. Jetzt scheint das Problem der Markenbetrugs-Händler aber auch nach Europa zu schwappen.

In den Niederlanden verhaftete die dortige Anti-Betrugs-Polizei bereits in den vergangenen zwei Wochen in Zusammenarbeit mit Europol 12 Personen in Privatwohnungen und Lagerhallen. Sie sollen umfangreich in kriminelle Online-Betrugsmaschen verwickelt sein.

Am Dienstag erklärte Europol: "Das Internet hat sich zu einem unverzichtbaren Kanal für E-Commerce entwickelt. Seine sofortige globale Reichweite und die Anonymität machen es möglich, fast alles zu jedermann jederzeit zu verkaufen".

Dies wüssten Fälscher, so Europol, weshalb sie sich "zunehmend die unbegrenzten Möglichkeiten" des Internets zu Nutze machten und massenhaft kriminelle Betrugs-Webseiten ins Internet stellten.

Neben dem finanziellen Schaden blieben gesundheitliche erhebliche Risiken, warnt Europol:

"Auch wenn die Angebote aussehen, wie ein Schnäppchen, so können sie ernsthafte Risiken mit sich bringen für die Gesundheit und Sicherheit der Käufer."

Der Klassiker ist beispielsweise, dass jemand im Internet einen Bosch-Backofen vermeintlich deutlich günstiger als auf anderen Webseiten entdeckt, 400 Euro überweist, aber gar keine Ware geliefert bekommt.

Neu ist, dass gefälschte Markenware dann tatsächlich auch ausgeliefert wird. Nur dass dann dort zwar Adidas drauf steht, aber nicht Adidas drin ist.

In insgesamt 27 Ländern führte Europol gemeinsam mit den USA und Kanada Razzien durch und schloss mehr als 4.500 Webseiten.

Die Spannbreite des Betrugs ist weit. So seien Webseiten geschlossen worden, welche umfangreich falsche angebliche "Luxusgüter" anboten, aber auch Sportbekleidung, Ersatzteile, Elektronik, Pharmazie, Pflegeprodukte und andere gefälschte angebliche Marken-Produkte.

In den USA hat sich neben dem FBI das US Immigration and Customs Enforcement an den Razzien und der Aufklärung beteiligt.

Rob Wainwright von Europol erklärte, die nun geschlossenen 4.500 Webseiten seien deutlich mehr, als in den Vorjahren.

Die Betrüger verkaufen ihre Waren häufig an den klassischen Preisvergleichs-Webseiten wie idealo.de, billiger.de oder Amazon vorbei und gehen direkt über Social-Networking-Sites wie Facebook oder Instagram.

Die niederländische Steuerfahndung (FIOD) sagte, wonach man es als "relativ neues Phänomen" ansehe, dass nun im Online-Handel auch "gefälschte Markenwaren und gefälschte Marken für den Käufer nicht erkennbar" verkauft würden.

Alleine in Holland seien mehr als 3.500 Kleidungsstücke und gefälschte Luxusgüter während der Razzien beschlagnahmt worden. Dazu gehörten Schuhe ebenso, wie Taschen oder Parfums. Betroffen seien Marken wie Nike, Adidas, Kenzo und viele mehr. Die beschlagnahmten Waren hätten alleine in den Niederlanden einen Marktwert von mehreren zehntausend Euro gehabt.

Europol warnt denn auch, Verbraucher sollten beim Online-Kauf stets auf der Hut sein: "Beim Online-Shopping ist die Chance groß, Opfer von Fälschern zu werden."

Besondere Vorsicht sollte der Verbraucher walten lassen, wenn ein Onlineshop mit seiner Ware auf keinem der großen Preisvergleichsportale gelistet ist – also beispielsweise weder auf billiger.de noch idealo.de.

Grund: Diese Webseiten unterziehen neue Shops einem Prüfverfahren, ehe sie online gestellt werden. Außerdem gibt es bei solchen Webseiten eine Task-Force, welche Tag für Tag die tausenden Shops überprüft und schaut, ob nicht doch Betrüger sich eingeschlichen haben. Ein billiger.de-Mitarbeiter sagte zu netz-trends.de: "Ich habe da mittlerweile einen siebten Sinn, um Betrüger zu erkennen".

Ein weiteres Problem von unbekannten unseriösen Betrugs-Shop-Webseiten sei, so Europol, dass diese Seiten häufig zusätzlich noch ihre Besucher heimlich ausspionierten, um Daten zu klauen.

Die Rede ist von Phishing-Versuchen nach Passwörtern, sowie Malware, also Schadsoftware. Solche Software spielt sich beim Webseiten-Besuch automatisch auf den Computer, das Handy oder Tablet, sofern kein ausreichender Virenschutz (wie beispielsweise von Antivir oder Kaspersky) vom Nutzer installiert worden ist.

Das größte Problem stellt bei heimlich aufgespielter Software der über Monate gehende Identitätsdiebstahl dar.

Europol lancierte mit der länderübergreifenden Razzia auch die Aktion "Don’t F***(ake) Up", was übersetzt heißt "Don’t Fake Up".

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