Menü
Netz-Trends.de
Das Magazin für Visionäre
Lifestyle 03.10.2016

Waschpulver XXL gestreckt wie Kokain? Mangelhaft für Ariel, Lenor

Ein aktueller Test der Stiftung Warentest zeigt große Qualitätsunterschiede bei Waschmittel in XXL-Packungen. pixabay.com | CC0 Public Domain

Kommentar - Wer kennt sie nicht: Die scheinbaren Waschpulver-Marketing-Knaller im Handel von Kaisers, dm, Rossmann, Netto, Aldi, Edeka, Lild, REWE? Die Waschmittel XXL-Packungen mit Pulverladungen der Extraklasse. Sie sehen aus wie die original kleinen Waschpulver-Kartons oder Waschpulver-Plastiksäckchen. Doch drin scheint teils schlechtere Qualität.

Zwar sind in den XXL-Waschpulverkartons mehr Pulver oder Kügelchen drin, als gewohnt. Doch bei manchen Herstellern weniger in der Klasse. Einige Waschmittelhersteller scheinen ihr Waschpulver künstlich zu strecken und aufzublähen und dabei die Waschqualität bewusst zu reduzieren, um den Profit zu erhöhen. Zu diesem Schluss kommt man, ließt man den aktuellen Waschpulver-Test der Stiftung Warentest (Heft Oktober 2016, S. 66 ff). Doch Achtung: Getestet wurden nur die Waschpulver oder Waschpulverkügelchen, nicht die in Flaschen abgefüllten Waschgele. Was zur Empfehlung an die Stiftung Warentest führt, diese XXL-Waschgele von Henkel & Co doch auch einmal in den nächsten Jahren unter die Lupe zu nehmen.

Fakt ist, schreibt die Stiftung Warentest: Wer glaubt, das weiße oder farbige Pulver in den XXL-Waschmittel-Pappkartons sei gleich mit dem in den handelsüblichen kleineren Packungen aus Karton oder Plastikverpackungen, der irrt.

Denn wo Persil, Dalli, Ariel, Lenor oder Formil auf den XXL-Packungen drauf steht, ist nicht immer das gleiche Pulver drin, wie in den fast identisch aussehenden kleinen Schwestern.

Das heißt für Verbraucher: bei XXL-Marketing für das mehlige oder körnige Waschpulver lohnt sich künftig auf jeden Fall vorher noch einmal den Test von Stiftung Warentest anzuschauen und entsprechend zu kaufen oder eben nicht zu kaufen.

Folgende Waschpulverpackungen hat Stiftung Warentest jeweils in den kleineren Pappkartons oder Plastikverpackungen und der großen Variante getestet mit den folgenden Gesamtnoten:

Kleine Waschpulver-Kartons oder Waschpulver-Plastikverpackungen:

Aldi Süd Tandil Ultra Color (Gesamtnote: 2,2), Ariel Actilift Compact Colorwaschmittel (Gesamtnote: 2,2) Lidl Formil Ultra Plus Color (2,2), Persil Color Megaperls (2,2), dm Denkmit Colorwaschmittel (2,4), Rossmann / Domol Color Extra Stark (2,4), Edeka Gut & Günstig Color Plus (2,5), Penny / Shetlan Color-Waschmittel (2,5), Sunil Color (2,6), Spee Megaperls Color (3,7).

Und so schnitten die XXL-Waschmittel-Kartonpackungen der Hersteller ab:

Lidl / Formil Color (2,4), Netto Marken-Discount Bravil Colorpulver (2,6), Persil Color XXL (2,6), Weißer Riese Intensiv Color XXL (2, 6), Aldi Nord / Una Classic Color (2,7), Sunil Color (3,8), Dalli Color (3,9), Ariel Actilift Colorwaschmittel (4,7) und Lenor Colorwaschmittel Blüten Bouquet XL Pack (5,0).

Am schlechtesten schnitt in der Gesamtwertung beim aktuellen Waschpulver-Test der Stiftung Warentest das getestete Lenor-Waschpulver ab mit einer glatten 5,0 (Mangelhaft). Diese Note wurde für die große wie offensichtlich aber wohl nicht getestete kleine Packung vergeben. Das liegt daran, dass der Hersteller (Procter & Gamble) laut Stiftung Warentest folgende Angaben zum Waschmittel gemacht hat: „In Tüte und Karton steckt laut Anbieter das gleiche Lenor-Pulver. Ein Kompaktwaschmittel gibt es nicht.“

Etwas anders gestaltet es sich bei Ariel (ebenfalls Procter & Gamble). Hier bekam die XL-Packung mit 55 Wäschen die Note Mangelhaft (4,7), die kleine Packung (in diesem Fall ein Plastiksack) die Note 2,2. Stiftung Warentest schreibt zum getesteten Ariel-Waschmittel: „Markenspagat. Das kompakte Ariel gehört zu den besten, das aus dem (XXL)-Karton zu den schlechtesten Pulvern im Test“.

Unsere Meinung:

Wer Waschpulver im aus Sicht des Verbrauchers nahezu gleichen Look- und Feel auf den Markt bringt, mit einer XXL versieht oder groß bewirbt, dass es sich um eine größere Packung als üblich handelt, in der Großpulver-Packung aber nicht einmal ansatzweise die Waschmittel-Qualität geboten wird, die man von der kleineren fast identisch aussehenden Packung gewöhnlich kennt, bewegt sich auf einem ganz schmalen Grad.

Man könnte durchaus zu der Meinung kommen: Da werden Kunden nicht nur veräppelt, sondern in einem Ausmaß an der Nase herumgeführt, dass der eine oder andere sich betrogen fühlen könnte.

Hersteller die so etwas tun, schaden ihren eigenen Marken. Denn eines ist klar: Wer in XXL sein Waschpulver mit schlechteren Inhalten streckt, die nicht zu der gewohnten Waschqualität führen, macht zugespitzt formuliert nicht anderes, als es Kokain-Händler tun:

Auch die strecken Kokain, so dass beim Endkunden häufig nur noch ein Viertel der im Ursprungsland in einer Verpackung vorhanden Qualität enthalten ist. Der Rest ist beim Kokain dann Gift pur - Betäubungsmittel, Beton und viel anderes Zeug.

Man sagt, vom Usprungs-Kokain in einer Packung blieben in Europa im Schnitt nur noch 25%. Das heißt: 75% ist also Betrug. Ganz so schlimm ist es bei den Waschmitteln offensichtlich nicht, aber man kann schon sagen, es geht etwas in diese Richtung.

Der Unterschied zum Waschmittel ist zudem: Gestricktes Kokain wird auf Grund der komplexen illegalen Vertriebswege von Händler zu Händler teurer, obwohl die Qualität von Händler zu Händler sinkt (wobei es im Handel immer wieder Produkte gibt, wo die Großpackungen teurer sind, als die kleineren um jenen Faktor multipliziert, um an die Menge der Großpackung zu gelangen).

Beim Waschpulver XXL, dessen Qualität von der kleinen zur großen Packung stark variiert, steigt zumindest in den großen Pappkartons in den gestreckten Versionen nicht offensichtlich und zwangsläufig der Preis.

Wenn man aber sagen würde: Ich bekomme pro Waschgang eine schlechtere Waschleistung, dann könnte man auch hier durchaus sagen, es wird ein ähnliches Geschäftsmodell gefahren, wie beim Kokain.

Doch so oder so öffnet der Test der Stiftung Warentest den Verbrauchern einmal mehr die Augen. Und man könnte durchaus auch mal wieder zum Gesetzgeber rufen und sagen: Wer Kunden täuscht, der muss die Härte des Gesetzes zu spüren bekommen. Wenn die bisherige Gesetzgebung nicht ausreicht, sollte auf EU-Ebene nachgebessert werden.

Gefällt mir
 
4.6 5
5