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Erlaubt? Google blockiert WhatsApp-Nachrichten von Nutzern für "Backup-Angebot"

Google will scheinbar selbst bei Whatsapp mithören - durch die Backup-Hintertüre? Bild: pixabay.com / geraltd

Kommentar - Wer seine WhatsApp-Nachrichten aufruft, kann derzeit auf den über 1 Milliarde Android-Smartphones von Google zunächst eine Blockade eingeblendet bekommen. Mittels derer versucht Google scheinbar die Hunderten Millionen WhatsApp-Nutzer zu verführen ihr Einverständnis dafür zu geben, dass Google sämtliche Bilder und Nachrichten auslesen und auswerten darf – wahrscheinlich auf personalisierter Ebene. Doch nach offizieller Lesart gehe es Google angeblich lediglich um das Angebot einer Backup-Funktion.

So schreibt Google in seiner Bildschirmsperre an die WhatsApp-Nutzer: "Google Drive Backup: Sichere deine Nachrichten auf Google Drive, damit deine Chats sicher sind, wenn du dein Telefon wechselst oder verlierst. Wähle, wie oft ein Backup erstellt werden soll: Täglich, Wöchentlich, Monatlich, Niemals." Gleichzeitig bietet Google an, auch die Videos direkt an Google zu überspielen.

Die von Google groß angebotene Backup-Funktion ist für die Nutzer so unnötig wie ein Kropf. Denn wer will allen Ernstes den Chat-Müll von gestern auch noch irgendwo gespeichert haben und zweitens: Möchten wir wirklich dass Google jetzt auch noch sämtliche unserer Chats in WhatsApp mitliest und auswertet und dazu auch noch die Fotos und Videos?

Wir meinen: Nein und finden es sowohl stilistisch wie rechtlich problematisch, dass hier ungefragt solche WhatsApp-Sperren von Google eingeblendet werden, die Verbraucher regelrecht zwingen mit Google auf dem Android-Smartphone über ureigenes Messenger-Verhalten – in dem Falle auf WhatsApp – interagieren zu müssen. Denn erst als wir Google den Punkt übermittelten, dass wir Niemals eine Speicherung unserer WhatsApp-Chats bei Google wünschen, erlaubte uns Google wieder einen Zugriff auf WhatsApp.

Was sagt eigentlich Facebook zu der Google-Whatsapp-Blockade?

Uns würde interessieren: Was meint eigentlich Google-Konkurrent Facebook zu solchen Vorgängen? Das ist doch nicht wirklich im Interesse des amerikanischen Mutter-Konzerns von WhatsApp. Aber auch die rechtliche Seite dürfte sich in der Europäischen Union lohnen näher zu beleuchten:

Denn in der EU gilt seit August 2012 das opt-in-Prinzip. Das heißt: Es ist rechtlich illegal wenn Nutzer gezwungen werden etwas zu verneinen – also ein Häkchen reinzusetzen -, ehe sie ein Produkt kaufen oder im Internet nutzen können.

Doch Google wendet hier genau eine solche in der EU eigentlich verbotene opt-out-Funktion versteckt an. Denn nur wer das Häkchen setzt, dass er oder sie beispielsweise das "Backup-Angebot" von Google nicht wünscht, kann wieder auf seine privaten Whatsapp-Nachrichten zugreifen. Google macht also geschickt das opt-in zu einem opt-out.

Google dürfte aber auch in diesem Bereich zunächst einmal die rechtliche Seite in der EU herzlich egal sein. Denn bis Gerichte darüber entschieden haben, ob die Vorgehensweise von Google erlaubt ist, dürfte Google sicherlich von den über 800 Millionen WhatsApp-Nutzern einige Hundert Millionen Zustimmungen haben, die einfach gedankenverloren irgendwo in der Google-Anfrage drauf klicken, Hauptsache sie können WhatsApp wieder nutzen. So kann man natürlich auch Geschäfte machen.

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